Alexander Epp:
Der Rüde
Der Rüde in aller Kürze
Wie bei der Hündin vorgegangen, möchte ich den Genitaltrakt des Rüden zunächst in einer Übersicht aufrollen. Von außen nach innen und wieder hinaus aus der Bauchhöhle. Zunächst verständlich deutsch - später fachlicher orientiert. Der Rüde verfügt über zwei ovalförmige Hoden, die sich zusammen mit den sie teils umschließenden Nebenhoden im Hodensack zwischen den Hinterläufen befinden. In den Hoden werden die Spermien gebildet, in den Nebenhoden reifen sie vollständig aus und werden dort jederzeit abrufbar bis zum Gebrauch gelagert.
Die unmittelbar hinter dem Blasenausgang als ein walnussgroßer Körper gelegene Prostata umschließt die Harnröhre. Aus dem Samenleiter werden die fertigen Spermien bei der Ejakulation durch die Prostata hindurch in die Harnröhre weitergegeben, von deren Muskulatur mittels pulsierender Kontraktionsbewegungen durch Penis und Eichel ausgestoßen.
Der hinter der Prostata unter dem Mastdarmausgang beginnende Penisschwellkörper verfügt zwischen Peniswurzel und Eichel kaum über nennenswert schwellfähiges und versteifend wirkendes Gewebe. So stößt man beim Rüden auch unter größter sexueller Erregung auf eine ausgeprägte erektile Funktion nur im Bereich der Eichel.
Beim in der Vorhaut an der Bauchunterseite befindlichen, freilegbaren Abschnitt des männlichen Genitales handelt es sich lediglich um die Eichel. An ihrem kaudalen Ende sitzt eine enorme Vergrößerung des Schwellkörpers, der Penisknoten. In den Schwellkörper der Eichel eingebettet liegt der Penisknochen, der der Versteifung der Eichel im erektionslosen Zustand dient.
1) Wozu benötigt der Rüde einen Penisknochen in der Eichel?
- Weil er die Hündin beinahe erektionsfrei penetrieren muss.
1) Warum muss er die Hündin ohne Erektion penetrieren?
- Weil er eine stark ausgeprägte Erektion benötigt, mit der er sich untrennbar in der Hündin verankern kann und damit - erigiert - weder die Öffnung seines Vorhautschlauches noch die Vulva der Hündin passieren könnte.
1) Warum muss sich der Rüde untrennbar in der Hündin verankern?
- Dies ist die hundliche Version, mit der sichergestellt werden soll, dass nicht nur die Begattung vollzogen, sondern ebenso die Befruchtung erfolgt ist, bevor man sich trennt und sich ein Konkurrent einmischen könnte.
1) Warum versteift der PENISknochen nur die Eichel?
- Weil der Rüde nur die Eichel in die Vagina einführt, der Penis an der Penetration nicht beteiligt ist und der Name "Penisknochen" deshalb schlichtweg falsch ist ...
Die Geschlechtsorgane des männlichen Hundes im Detail
Retour zu den Hoden und den gleichen Weg nochmals deutlich detaillierter beschritten.
Hoden
- Testis, Didymus, Orchis, Plur.: Testikel, Testes
Descendus
- 1) pränatal, im Embryonalstadium kaudal der Nieren gelegen
- 2) über eine bandartige Struktur (Gubernaculum testis) mit dem Skrotum verbunden
- 3) dieses Band schrumpft im Laufe der Entwicklung und zieht die Hoden ins Skrotum (als "Descendus testis" bezeichnet)
- 4) die Hoden steigen durch einen Kanal (Leistenspalt) ab, der durch Lücken in der Bauchwandmuskulatur gebildet wird
- 5) Descensus testis beim Rüden postnatal, meist am 10 - 14 Tage nach der Geburt abgeschlossen
- 6) danach (bis ins Alter von rund sechs Wochen) schließen sich die Inguinalringe; als Folge können normal entwickelte Hoden nicht mehr passieren, verbleiben in der Bauchhöhle (Kryptorchismus)
- 7) nach dem Abstieg liegen die Hoden im Scheidenhautfortsatz (Processus vaginalis), nach außen vom Skrotum umschlossen
- 8) der Grund für die Notwendigkeit des Descendus testis: die Reifung der männlichen Samenzellen ist temperaturempfindlich; im Skrotum kann durch verschiedene Mechanismen die Temperatur um ein paar Grad unterhalb der Kernkörpertemperatur gehalten werden
Anatomie
- 1) paarig angelegt
- 2) oval (Rotationsellipsoid), eiförmig bis kugelig
- 3) horizontal liegend (beim Bullen etwa stehen die Hoden vertikal / senkrecht im Skrotum)
- 4) freiverschiebbar, elastisch aufgehängt
- 5) unterteilt in Kopfende (kranialer Hodenpol) und Schwanzende (kaudaler Hodenpol) (entsprechend der Lage von Nebenhodenkopf und -schwanz)
- 6) ferner gegliedert in: Nebenhodenrand, freien Rand, laterale und mediale Fläche
- 7) jeder Hoden hängt an einem Samenstrang (Funiculus spermaticus), der am hinteren Hodenrand (Mediastinum testis) den Hoden verlässt und den Samenleiter, sowie die Hodenarterie und die Hodenvenen enthält
innerer Aufbau
- 1) jeder Hoden liegt in einer Bindegewebskapsel (Tunica albuginea testis), die das Hodenparenchym (das spezifische, funktionelle Organgewebe) unter leicht erhöhtem Druck hält
- 2) von dieser Kapsel ziehen Bindegewebssepten (Septula testis) strahlenförmig nach innen und unterteilen das Hodenparenchym in einzelne Kammern (Hodenläppchen, Lobulus testis)
- 3) diese Hodenläppchen werden von den gewundenen Samenkanälchen (Hodenkanälchen, Tubuli seminiferi) eingenommen
- 4) diese Samenkanälchen sind ausgekleidet mit Keimepithel; hier erfolgt die Spermatogenese (Bildung der männlichen Gameten, Spermien, Samenfäden)
- 5) die geraden Endstücke der Samenkanälchen münden in ein System von Ausführungsgängen (das Rete testis, Hodennetz), in die bindegewebige Mitte der Hoden (Mittelfell, hinterer Hodenrand, Mediastinum testis)
- 6) hier treten ebenso Gefäße und Nerven ein und aus
- 7) das Hodennetz reduziert sich zu wenigen Kanälen (Ductuli efferentes)
- 8) diese Ductuli efferentes verlassen den Hoden am kranialen Pol und geben die Spermien an den Nebenhodenkanal weiter
Größe
- 1) Volumen bei Rüden kleiner 40 kg Körpergewicht: 10 - 15 ccm
- 2) Volumen bei Rüden größer 40 kg Körpergewicht: 20 - 25 ccm
- 3) konkrete Zahlenbeispiele: horizontaler zu vertikaler Durchmesser beim dt. Schäferhund: 6 : 2.5 cm (normalwüchsig), 7 : 4 cm (Übergröße)
Funktion
- 1) Produktion von Androgenen, vor allem Testosteron in Abhängigkeit von LH (männliches Geschlechtshormon)
- 2) zwischen den Hodenkanälchen liegen die so genannten Leydig-Zwischenzellen; in ihnen wird das männliche Sexualhormon Testosteron produziert
- 3) LH stimuliert die Leydig'schen Zwischenzellen zur verstärkten Ausschüttung von Testosteron
- 4) teils reicht schon ein verminderter LH-Spiegel (bei normalem Testosteronspiegel) für massive Libidoverluste aus
- 5) Testosteron ist ursächlich verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Libido (dass es neben dem hormonellen Antrieb aber massive andere Antriebe zu sexueller Aktivität gibt, beweist der sexuell aktive Kastrat)
- 6) Produktion von Spermien
Nebenhoden
Epididymis, Plur.: Epididymides
- 1) wird unterteilt in Kopf, Körper und Schwanz (Caput, Corpus und Cauda epididymis)
- 2) liegt beim Rüden schweifartig dem craniodorsalen Hodenrand an
- 3) im gestreckten Zustand beträgt die Länge des Nebenhodenganges zwischen 5 und 15 Metern (Hund)
Aufbau
- 1) der Nebenhodenkopf (Caput epididymis); liegt dem kranialen Hodenpol an
- 2) besteht aus (beim Hund rund 15) ableitenden Gängen (Ductuli efferentes)
- 3) jeder dieser Gänge ist zu einem Knäuel verwunden (Lobulus comi epididymidis)
- 4) lässt sich palpatorisch (durch Abtasten) als kleiner Hügel vom Hoden abgrenzen
- 5) ist etwa pfefferkorn- bis gut erbsengroß
- 6) nimmt die noch unreifen 1) Samenzellen auf und leitet sie an den Nebenhodenkörper (Corpus epididymis) weiter, auch als Nebenhodengang (Ductus epididymis) bezeichnet
- 7) dieser liegt strangförmig auf der dorsomedialen (an der Rückseite zur Körpermitte hin gelegen) Seite des Hoden und verbindet Nebenhodenkopf mit -schwanz
- 8) der Nebenhodenschwanz (Cauda epididymidis) ist ein knäuelförmiger Kanal, ebenfalls gut tastbar, in dem die Samenzellen endgültig ausreifen und gelagert werden; dazu werden sie mit einem Sekret angereichert, dass ihre Bewegungsfähigkeit hemmt, damit sich ihre Energien nicht vorzeitig verbrauchen
- 9) der Nebenhodenschwanz liegt am kaudalen Hodenpol
- 10) als halbkugelige, unregelmäßige Kappe palpierbar
- 11) je nach Körpergröße des Rüden etwa erbsen- bis haselnussgroß
- 12) er geht in den Samenleiter (Ductus deferens) über
- 13) Man ist sich heute noch nicht ganz einig darüber, ob die Spermien zu diesem Zeitpunkt schon motil sind und die Reifung in den Nebenhoden nur noch in der Herausbildung besserer chemischer Resistenz besteht oder sie dort überhaupt erst ihre Beweglichkeit erlangen.
Funktion
- 1) endgültige Reifung der Samenzellen
- 2) Lagerung der Spermien
Abb. xx: Die Hoden des Rüden können in Größe und Gewicht die eines doppelt so schweren Mannes übertreffen. Hier die Hoden eines einjährigen Schäferhund-Rüden.
Abb. xx: Stark schematisierter äußerer Aufbau von Hoden, Nebenhoden und Samenstrang
Hodensack, Skrotum
- 1) die Hodensackhaut ist dünn, fettarm und von einer Schicht Muskulatur unterlagert
- 2) meist wenig behaart
- 3) trocken, spröde und dunkellila, bis grauschwarz pigmentiert.
- 4) die Hodenhüllen gliedern sich (von außen nach innen) in
- - Scrotum (nochmals unterteilt in vier weitere Schichten)
- - Scheidenhautfortsatz (Processus vaginalis, unterteilt in zwei Schichten)
- 5) das Innere des Skrotums (Cavum vaginale) steht mit der Bauchhöhle in Verbindung
- 6) der Musculus cremaster (Hodenheber) hebt den Hoden bei Berührung oder zur Wärmeregulierung zur Bauchdecke (mittels dieses Muskels konnte ein mir bekannter Rüde mit Hodenhypoplasie seine Hoden bis in die Bauchhöhle hineinverlagern)
Kryptorchismus, Monorchie, Hypoplasie ...
Kryptorchismus
man unterscheidet
- 1) bilateraler K.: beide Hoden in der Bauchhöhle verblieben
- 2) unilateraler K.: nur ein Hoden abgestiegen
- 3) ferner inguinaler K., abdominaler K., seltener ektopischer K.
Kryptorchismus
- 1) vergrößert das Risiko für verschiedenste Hodentumore
- 2) führt teils zu hormonbildenden Hodentumoren, die durch unkontrollierte Östrogenbildung zu schwerwiegenden Folgekomplikationen führen
Fehlentwickelte oder falsch positionierte Hoden
- 1) sind meist kleiner als die im Skrotum befindlichen
- 2) die Spermatogenese ist vermindert oder fehlt
Monorchie
- 1) nur ein Hode vorhanden
Anorchismus
- 1) keine Hoden vorhanden oder nur rudimentär angelegt
Hodenhypoplasie
- 1) funktionsfähige, aber zu kleine Hoden
- 2) betroffen beide Hoden
- 3) Konsistenz weich, elastisch, "wie die Nebenhoden"
- 4) Leydigzellfunktion nicht eingeschränkt, deshalb die Libido betroffener Rüden normal
- 5) das Ejakulat wiese eine hochgradige Oligozoospermie (verringerte Spermienanzahl) oder Azoospermie (überhaupt keine Spermien im Ejakulat) auf
Eigene Beobachtungen an einem Rüden mit Hodenhypoplasie
- 1) Libido ausgeprägt
- 2) keine extrem verminderte Samendichte, sondern lediglich etwa halbe Konzentration
- 3) vermehrte Anzahl immotiler Spermien
- 4) viele "Verschmutzungen" (Fremdkörper) im Ejakulat
Samenstrang, Samenleiter
- 1) der Samenleiter (Ductus deferens) ist die Fortsetzung des kaudalen Endes des Nebenhodenganges
- 2) er zieht am Corpus epididymis entlang nach kranial und vereinigt sich am kranialen Hodenpol mit Hodenarterie, -vene und -nerven, sowie Lymphgefäßen und den den Ductus deferens begleitenden Nervenbahnen und Blutgefäßen zum Samenstrang (Funiculus spermaticus).
- 3) der Samenstrang ist - wie Hoden und Nebenhoden - bis zur Durchtrittstelle in die Bauchhöhle von den beiden Schichten des Processus vaginalis umhüllt
- 4) der Samenstrang zieht durch den Leistenkanal in die Bauchhöhle
- 5) in der Bauchhöhle wendet sich der zunächst kranial verlaufende Samenleiter bogenförmig nach kaudal und mündet in die Prostata, von dieser in das Beckenstück der Urethra, kurz nach deren Ursprung aus der Blase
- 6) dieses Endstück des Samenleiters erweitert dorsal der Prostata - beim Hund nur geringfügig - sein Lumen zur so genannten Ampulle
- 7) diese Ampullen dienen als kurzzeitiger Samenspeicher; Spermien können dort mehrere Tage fruchtbar bleiben, jedoch nimmt die Qualität innerhalb weniger Stunden rapide ab, der Anteil toter oder nahezu immotiler Spermien rasant zu
- 8) diese Mündungsstellen der beiden Samenleiter in die Prostata liegen - im Gegensatz zu den Einmündungspunkten der beiden Harnleiter in die Blase (ein kurzes Stück weiter kranial gelegen) - in unmittelbarer Nähe nebeneinander
Harnröhre
Urethra
- 1) ab dieser Einmündung der Samenleiter wird die Urethra zum gemeinsamen Harnsamenleiter
- 2) nach der Prostata münden beim Rüden - im Gegensatz zum Mann - keine weiteren Kanäle mehr in die Harnröhre
- 3) der erste Teil der Harnröhre beginnt an der inneren Harnröhrenöffnung, durchsetzt die Prostata (der Pars prostatica)
- 4) der zweite, kurze Teil (Pars membranacea) läuft durch den Beckenboden; ist Sitz des Harnröhrenschließmuskels
- 5) der dritte Abschnitt befindet sich im Inneren des Harnröhrenschwellkörpers, liegt also im eigentlichen Penis des Rüden und endet mit der Harnröhrenöffnung an der Eichel
Prostata
Vorsteherdrüse, Glandula prostatica
Die Prostata ist im Laufe des Lebens recht größenvariabel und vagabundierfreudig.
- 1) zählt zu den akzessorischen (den zusätzlichen, weiteren) Geschlechtsdrüsen
- 2) stellt die einzige weitere (makromorphologische) Geschlechtsdrüse des Rüden dar
Vereinzelt werden auch die Ampullen des Samenleiters als akzessorische Geschlechtsdrüsen des Rüden gewertet.
Lage
- 1) abhängig vom Entwicklungszustand
- 2) zunächst abdominal
- 3) danach bis zur Geschlechtsreife intrapelvin (im Beckenraum), dabei kaudal der Blase
- 4) zu Beginn des canalis urogenitalis (Harnsamenleiter)
- 5) umschließt dort den so genannten Blasenhals
- 6) die Harnröhre verläuft mittig der Prostata.
- 7) grob betrachtet wird die Prostata also kranial von der Harnblase, dorsal vom Rektum und ventral von der Beckensymphyse begrenzt
- 8) mit fortschreitendem Alter kommt es zur Vergrößerung und zur kranialen Rückverlagerung vor das knöcherne Becken
Form
- 1) in etwa kugelförmig
- 2) im Längsschnitt: kreisförmig bis oval
- 3) im Querschnitt geformt wie eine Kidney-Bohne (Einbuchtung ("Rinne") dorsal gelegen, die Wölbung ventral) mit zentral liegender Urethra
- 4) besitzt dorsal eine parallel der Urethra laufenden Rinne
Aufbau
- 1) bestehend aus einzelnen Drüsen
- 2) von einer Kapsel aus festem Bindegewebe umhüllt
- 3) in einen Muskel eingebettet
- 4) neben dem Drüsengewebe findet sich mikroskopisch noch Muskelgewebe und Bindegewebe.
- 5) die Ausführungsgänge der Prostata münden kraniodorsal in die Harnröhre.
- 6) gegliedert in zwei Schichten
- - der äußere Körper, der dorsal stärker ausgebildet ist
- - der innere Körper, mit der innenliegenden Urethra
Größe / Größenänderung
- 1) zunächst klein
- 2) wächst bis zum Erreichen der Fertilität
- 3) danach normales Wachstum (1-5 Jahre)
- 4) bis hier korreliert das Prostatavolumen mit dem Alter des Rüden
- 5) Hyperplasie (Vergrößerung) im Alter von 6-10 Jahren
- 6) im hohen Alter meist Involution (Rückbildung, Degeneration)
- 7) Volumen bei Hunden kleiner 40 kg Körpergewicht: 30 - 40 ccm
- 8) Volumen bei Hunden größer 40 kg Körpergewicht: 40 - 100 ccm (beide Male betrachtet im jungen Erwachsenenalter und bei unauffälliger Beschaffenheit)
Aufgabe
- 1) der Muskelanteil der Prostata geht direkt in den Blasenhals über; die Muskulatur von Prostata und Blasenhals verschließen den Blasenhals bei der Ejakulation und sorgen für den Ausstoß der Samenflüssigkeit nach außen, dafür, dass das Sperma nicht in die Harnblase gelangt (retrograde Ejakulation)
- 2) der Prostata beim Rüden kommt nahezu ausschließlich sekretorische Funktion zu
- 3) die genaue Funktion der Substanzen der Prostata als endokrine Drüse ist unklar
- 4) das exokrine Prostatasekret ist beim Rüden Transport- und Nährmedium für die Spermien
- 5) es erhöht die Spermienmotilität und neutralisiert die saure Umgebung in der Vagina während der Kopulation - so die derzeit favorisierte Lehrmeinung
- 6) da der Rüde weder eine Samenblase noch eine Cowpersche Drüse besitzt, damit das Ejakulat (neben dem Spermienanteil der zweiten Fraktion) nur aus Prostataflüssigkeit besteht, besitzt es keine Viskosität, ist von wässriger Konsistenz, leicht salzig und koaguliert (gerinnt, verklumpt) nicht; ist der Flüssigkeitsanteil verdunstet, bleiben nur optisch weiß und mehlig erscheinende kristalline Salze - und, die zweite Fraktion unter dem Mikroskop betrachtet - immotile Spermien zurück
- 7) Sekretproduktion vom Parasympathikus angeregt
- 8) Ausschüttung des Sekrets unter Einfluss der Sympathikus während der Ejakulation
- 9) bei der Ejakulation presst die Muskulatur das Sekret in die Ausführungsgänge
- 10) deshalb wird die Prostata als eine exokrine Drüse (nach außen absondernd) bezeichnet
- 11) beim Rüde stammen mehr als 95% des Gesamtejakulats aus der Prostata; was eigene Messungen bestätigten
- 12) die Funktion der Prostata ist stark abhängig vom Hormon Testosteron.
Der kastrierte Rüden könnte in nahezu der gleichen Menge ejakulieren, wie sein vollständig belassener Artgenosse, da die meiste Substanz des Ejakulats eben der Prostata und nicht den Hoden und Nebenhoden entstammt. Nach einer Kastration nimmt jedoch der Substanzausstoß sehr rasch ab, verschwindet schließlich völlig. Manche kastrierte Rüden konnten nach eigener Beobachtung noch nach Jahren bei höchster sexueller Erregung unansehnliche, gelbliche, in der Konsistenz schmierige "Ejakulate" zutage fördern.
Abb. xx: Schemazeichnung. Lage der Prostata und Querschnitt
Volksweisheiten und Realität
Kaum ein Organ wird am Stammtisch und in anderem "fachlichen Beisammensein" so heiß diskutiert wie die Prostata. Und je unwissenschaftlicher der Kontext, desto haarsträubender die Anekdoten, die sich um ihre Beschaffenheit und Funktion ranken. Als Folgefehler werden häufig diese mehr im Volksglauben angesiedelten "Erkenntnisse" vom Hundehalter, der sich überhaupt für solche Details seines Vierbeiners interessiert, auf den Hund übertragen. Deshalb möchte ich mich kurz den drei wichtigsten (Nicht-)Funktionen der hundlichen Prostata zuwenden, soweit ich sie über Literaturrecherche und eigene Beobachtungen dingfest machen konnte.
Die Prostata als Samenspeicher, als Ansauggerät der Spermien und als Drüse, die während der Ejakulation den Harnfluss unterbindet.
a.) die Funktion als Samenspeicher
Ein frisch kastrierter Rüde bleibt noch einige Stunden nach seiner Verstümmelung, möglicherweise über Tage hinweg, fruchtbar. Jedoch wird die Qualität des gespeicherten Spermas rasch sehr schlecht, der Anteil letaler oder nahezu immotiler Spermien steigt rapide an. Dieser Effekt setzt einen funktionellen Samenspeicher außerhalb der Nebenhoden voraus. Manch ein Text schreibt der Prostata diese Funktion zu. Dazu ist anzumerken, dass in der Prostata die nötigen Speicherkammern fehlen, das Drüsengewebe ständig sekretorisch tätig ist, sodass dort in den Kanälchen eingelagerter Samen schon nach kürzester Zeit ausgespült wäre.
Was nach einer Kastration jedoch in der Bauchhöhle des Rüden verbleibt, sind die End-Abschnitte des Samenleiter mit ihren nahe der Prostata gelegenen vergrößerten Ampullen. Dort findet sich genügend Raum für den Samenanteil einer vollständigen Ejakulation. Zudem die peristaltischen Bewegungen des verbliebenen, am aufgetrennten Ende ja wieder verschlossenen Samenleiters ausreichen, den Samen aus den Ampullen durch die Prostata in die Harnröhre zu befördern. Zudem wurden diese Ampullen als Samenspeicher bereits wissenschaftlich anerkannt.
Früher wurde die Prostata auch beim Menschen irrtümlich als Samenspeicher angesehen. Deshalb wurde sie auch Samenblase genannt. Diese ist aber nochmals eine weitere, eigenständige Geschlechtsdrüse beim Menschen (dem Hund fehlt sie). Als Samenspeicher beim vollständigen Mann und Rüden fungieren letztlich hauptsächlich die Nebenhoden.
b.) die Funktion als Spermienpumpe
Vielfach wird betont, dass es hauptsächlich die Prostata sei, die den Samen aus den Nebenhoden regelrecht heraus sauge.
Heute macht man für das Ansaugen des Samens aus den Nebenhoden beim Hund nicht mehr die Prostata funktionell verantwortlich. Vielmehr reichten dazu die Lumenänderungen und Bewegungen in Samenleiter und -strang aus. Peristaltische Muskelkontraktionen der Nebenhodengang-Muskulatur, Verkürzungen, Streckungen und Lumenänderungen des Ductus deferens befördern den Samen durch Samenleiter und Ampullen in die Prostata, wo diesem lediglich noch die prostatische Flüssigkeit zugemischt wird.
c.) die, den Harnfluss unterbindende, den Weg des Spermas vorgebende Funktion
Muskulatur von Prostata und Blasenhals verschließen zusammen den kranialen Teil der Harnröhre vor der Einmündung der Samenleiter. Doch geht beim Rüden offenbar die Hauptfunktion von der Muskulatur des Blasenhalses aus.
Das Vorhandensein einer Verschlussfunktion zur Blase hin zeigt sich etwa in folgenden Situationen
- 1) Ejakuliert ein Rüde in übergroßer sexueller Erregung schon bevor seine Erektion aufgebaut ist, werden dem Ejakulat oftmals große Mengen Urin beigemischt, die geringer ausfallen, je weiter die Erektion der äußeren Genitalien fortgeschritten ist.
- 2) Ein noch voll erigierter Rüde, der sich eben von der Menschenhand getrennt hat, kann nur bedingt tröpfchenweise oder gar nicht urinieren, wenn er in aller Eile eine Urinmarke eines Konkurrenten auslöschen möchte.
Ein Verschluss der Urethra lässt sich aber ohne Beteiligung der Prostata ebenso über das vielverzweigte nervliche Geschehen, das ausschließlich auf die Harnröhrenmuskulatur wirkt, erklären. Schädigungen im Rückenmark des Hundes können zu einem permanenten, spastischen Verschluss der Harnröhre allein aufgrund neuronaler Fehlsteuerung, ohne Beteiligung von Prostata und Blasenhalsmuskulatur führen. Bei manchen Rüden reicht schon die Begegnung mit einer läufigen Hündin aus, um in seiner Erregung einen solchen Verschluss, der sich gar möglicherweise von selbst nicht mehr löst, herbeizuführen.
In wie weit letztlich die Prostata anteilsmäßig an der verschließenden Funktion beteiligt ist, konnte ich in konkreter Aussage nirgendwo glaubhaft und in der Erklärung zwingend beschrieben finden.
Den Verschluss der Harnröhre ohne Beteiligung der Prostata allein durch die Harnröhrenmuskulatur legt auch folgende Beobachtung nahe.
Viele Kastraten behalten ein reges Sexualleben bei oder ich konnte sie auf ein solches zurückführen. Sie ejakulieren zwar keine Substanz mehr, pulsieren aber trocken genauso ausgeprägt, wie der vollständige Rüde. Genauso wie sich bei diesem dem Ejakulat bei unvollständiger Erektion Urin beimischt, ejakuliert der unvollständig erigierte, kastrierte Rüde in vergleichbarer Situation stoßweise ebenfalls - er ausschließlich - Urin.
Sodass letztlich auch beim kastrierten Hund mit völlig zurückgebildeter Prostata allein die sexuelle Erwartung, eine Erregung, die sich mit dem Aufbau der Erektion steigert, neuronal auf die Harnröhrenmuskulatur wirkt und ohne Beteiligung der nahezu funktionsunfähigen Prostata einen an das Geschehen zeitlich korrekt angepassten, vollständigen Verschluss herbeiführen kann.
Da der Harnröhrenschwellkörper nur bedingt und nicht in der Festigkeit der anderen Schwellkörper erigiert, um nicht den Samenfluss zu blockieren, ist die Erektion mit der Verschlussfunktion gegen Harnbeimengung - auch wenn beide Funktionen zeitlich recht verlässlich korrelieren - nicht direkt, sondern nur indirekt über die zugehörige neuronale Steuerung verknüpft. Man darf also gerade in Anbetracht des Kastraten nicht dem Irrtum verfallen, seine vollständig erhaltene erektile Funktion der Schwellkörper unterbinde die Beimengung von Urin! Nicht die Erektion verursacht das Urintröpfeln des obigen Rüden, der die Marke seines Rivalen löschen möchte - aber nicht kann. Vielmehr ist die zeitlich etwa parallel eintretende und sich wieder abbauende Verkrampfung der Harnröhrenmuskulatur für diesen Verschluss verantwortlich.
Hauptsächlicher Defekt
Die Prostata will benutzt sein. Wichtig für ihre Gesunderhaltung erscheint der Wissenschaft heute für den Rüden die Ejakulation aus der dritten Fraktion. Wird ihre Funktion nicht kontinuierlich genutzt, neigt sie ab einem Alter von rund sechs Jahren aufwärts zu dann oftmals störender Vergrößerung.
Aus diesem Grunde muss die Masturbation des Rüden - so er denn nicht auf Lebzeiten als Zuchtrüde zu regelmäßiger Verpaarung gelangt - gar als medizinisch indiziert betrachtet werden.
Im Gegensatz zum Menschen stört die vergrößerte Prostata des Hundes nicht den Harnfluss, sondern durch massiven Druck auf den Mastdarm den Transport und damit letztlich das Absetzen von Kot.
Sexuelle Aktivität schützt hingegen nicht vor malignen Prostatakarzinom; ab einem Alter von zehn Jahren konnte man kaum noch Unterschiede zwischen aktiven und inaktiven Rüden feststellen; Kastration erhöhe jedoch das Risiko für Prostatakrebs.
Eine Kastration reduziert eine vergrößerte Prostata innerhalb von vier bis zwölf Wochen auf ein Fünftel ihrer Ausgangsgröße.
Penis
- 1) männliches Begattungsorgan
- 2) der Penis des Rüden ist vom muskulo-kavernösen Typ mit viel Schwellgewebe
- 3) d. h., der nicht erigierte Penis ist klein und schlaff und wächst erst während der Erektion zu einem Vielfachen an Größe und Volumen heran (andere Variante: der fibroelastische Typ; dieser Penis ist schon im nicht erigierten Zustand hart und derb; kaum Volumenzuwachs durch die Erektion; Beispiel: Bulle)
- 4) die erektile Funktion ist hämodynamisch, d.h. Versteifung und Vergrößerung wird durch den Blutfluss reguliert
- 5) von einer Bindegewebshaut umhüllt (Tunica albuginea)
- 6) die Glans penis (Eichel) liegt zudem in einer äußeren Haut (Vorhaut, Präputium)
- 7) die Penishaut ist dünn und fettgewebsfrei; selbst völlig verfettete Tiere lagern keine Fettpolster in Eichel, Penis oder Präputium ein
- 8) trägt auf der ventralen Seite eine Naht (Raphe penis)
Gliederung
Radix penis (Peniswurzel)
- 1) über die Peniswurzel ist der Penis an Beckenboden und Beckenskelett verankert
- 2) an der Peniswurzel wird der Penis vom Musculus bulbospongiosus (ein den Schwellkörper umschließender Muskel) und dem Musculus ischiocavernosus (Schwellkörpermuskel) bedeckt
- 3) m. ischiocavernosus umschließt etwa das erste Drittel des Penis
- 4) unterstützt Erektion (siehe dort) und Ejakulation
- 5) die Harnröhre selbst ist kaudal der Prostata von kräftiger Muskulatur umschlossen, die für den Ausstoß des Samens zuständig ist
- 6) von der Peniswurzel ausgehend existiert beim Rüden eine Muskulatur (Rückziehermuskel, Musculus retractor penis), die das aktive Zurückziehen des Penis in den Vorhautschlauch ermöglicht
- 7) der Angriffspunkt dieses Retraktormuskels reicht (zunächst kaudal, später ventral am Penis verlaufend) bis kurz kaudal des Knotens
- 8) der Penisschwellkörper beginnt an der Wurzel mit dem Bulbus penis, einer Verdickung des Schwellkörpers
- Corpus penis (Penisschaft)
- 1) bei Menschen der frei beweglicher Penisschaft
- 2) beim Hund nahezu völlig in Beckenraum und Präputium liegend, das bei den meisten Hunderasse fast auf seiner gesamten Länge mit der Bauchdecke verwachsen ist
Glans penis (Eichel)
- 1) der Penis endet in der arttypisch geformten Eichel
- 2) aus ihr mündet die Harnröhre
- 3) beim Rüden stellt sie eine Besonderheit dar, die weiter unten detailliert beschrieben wird
Das Schwellkörpersystem
- 1) der Harnröhrenschwellkörper (Corpus spongiosum penis) umgibt die Urethra von der Peniswurzel bis zur Austrittsöffnung an der Glans penis (unterer Schwellkörper, Corpus spongiosum penis, Harnröhrenschwellkörper, Corpus spongiosum)
- 2) um die Harnröhre bei der Erektion nicht zu verschließen bleibt ihre Konsistenz auch im erigierten Zustand vergleichsweise nachgiebig und weich
- 3) zur Bauchdecke hin gelegen verläuft von der Wurzel bis kaudal des Knotens der paarig angelegte Penisschwellkörper (Corpus cavernosum penis) (oberer Schwellkörper, Corpus cavernosum penis, Penisschwellkörper, Corpus cavernosum)
- 4) dieser gibt dem Penis des Mannes seine Steifigkeit, ist beim Hund aber nur wenig ausgeprägt und funktionell unbedeutend; der hundliche Penis kann sich nicht versteifen, weshalb eine erigierte, aus dem Präputium ausgeschachtete Glans penis haltlos zu Boden hängt, der Rüde letztlich schon allein deshalb eine Partnerin nicht mehr erfolgreich penetrieren könnte
- 5) der Schwellkörper des Knotens wird in manchen Darstellungen dem Harnröhrenschwellkörper zugerechnet; dies ist meines Erachtens falsch; dieser Schwellkörper ist in seiner Konsistenz der härteste Teil, benötigt für seine Funktion - die Arretierungsfunktion beim Hängen - enorme Festigkeit, zudem die Eigenschaft, dass eingeflossenes Blut mechanisch nicht ausgepresst werden kann, sonst würde sich bei der enormen Zugbelastung, unter der die hundlichen Genitalien beim Hängen teils stehen, die Verbindung lösen
- 6) der Schwellkörper der Pars longa glandis wird gelegentlich als eigenständiger Schwellkörper dargestellt, obwohl er genauso gut eine Fortsetzung und Erweiterung des Harnröhrenschwellkörpers sein kann; in seiner Konsistenz (weich) und Funktion (in gewissem Umfang formvariabel, anpassungsfähig an äußere Gegebenheiten) besitzt er alle Eigenschaften des Harnröhrenschwellkörpers
- 7) in jedem Falle sind Schwellkörper des Bulbus glandis und der Pars longa glandis getrennte Körper, da sie vom Rüden unabhängig voneinander befüllt und entleert werden können
Womit möglicherweise vier unabhängige Schwellkörper postuliert werden.
Andere Darstellungen unterscheiden drei Schwellkörper
- 1) der Harnröhrenschwellkörper (innerer Penisschwellkörper, Schwammkörper) umschließt die Harnröhre von Eichelspitze bis Peniswurzel
- 2) der Penisschwellkörper (hinterer äußerer Penisschwellkörper); bestehend aus Knoten und dem dorsalen, paarig angelegten Schwellkörper, der bis zur Peniswurzel verläuft
- 3) der Schwellkörper der Pars longa glandis (vorderer innerer Penisschwellkörper)
Dies ist die von mir favorisierte Version, wobei ich einen Schritt weiter gehen und Schwellkörper der Pars longa glandis sowie Harnröhrenschwellkörper zusammenlegen würde. Beim Mann weitet sich ebenso der Harnröhrenschwellkörper im letzten Abschnitt zur Eichel aus - beim Rüden zur Pars longa glandis. Die Eichel ist genau wie die Pars longa glandis des Rüden von weicherer Konsistenz als der Penisschwellkörper. Palpatorisch lassen sich nur diese beiden stark unterschiedlichen Schwellkörper - innere Anlagen ausgenommen - erfassen. Über nur zwei getrennte Schwellkörper ist das System funktionell erklärbar, funktionell sinnhaft und zudem in allen Teilen und Funktionen mit dem Schwellkörpersystem des Mannes analogisierbar.
- Unabhängig von dieser Gliederung bleibt festzuhalten
- 1) das Schwelllkörpersystem des Rüden besteht aus einem recht komplexen Cavernensytem, wie man erkennt, wenn man Querschnitte des Penis von der Wurzel bis zur Spitze der Glans penis betrachtet
- 2) in vielen Schemazeichnung anders eingezeichnet, ist auf dem wenige Zentimeter langen Abschnitt unmittelbar kaudal des Knotens auch im voll erigierten Zustand kein Schwellkörper palpierbar - nicht der der Harnröhre, nicht ein Penisschwellkörper, der bis unmittelbar an den Knoten reichen soll. Man stößt auf das kaudale Ende des Penisknochens, das an dieser Stelle in eine (bei einem Schäferhund) fingerdicke, knorpelige, die Harnröhre umschließende und das Verklappen des Penis ermöglichende Stützstruktur übergeht. Mit nebenlaufenden, prall gestauten Blutgefäßen. Dieser Aufbau setzt sich im Präputium und weiter bis in den perinealen Bereich fort; folglich müssen in diesem Teil alle Schwellkörper - hier liegen Penis- und Harnröhrenschwellkörper sogar übereinander - extrem ausgedünnt sein
Morphologische Analogisierungen der bisherigen äußeren Geschlechtsorgane
Analogisiert man rein anhand der sichtbaren Äußerlichkeiten zwischen Mann und Rüde, mag man den freilegbaren, beim Schäferhund handbreiten, Abschnitt der Eichel kaudal des Knotens mit dem Sulcus (Sulcus = Furche, Rinne) gleichsetzen. Der Knoten des Rüden entspräche dem abgehobenen, dunkel verfärbten Eichelrand (Corona glandis, Eichelkranz). Die Pars longa glandis wäre der männlichen Eichel gegenüber zu stellen.
Berücksichtigt man jedoch die Funktion, verunglückt dieser Vergleich: Der Rüde kann den Schwellkörper von Pars longa glandis und Bulbus glandis unabhängig voneinander befüllen und leeren - was auf getrennte Schwellkörper hindeutet. Beim Mann wird jedoch die komplette Eichel von einem einzigen Harnröhrenschwellkörper bedient.
Analogisiert man anhand der Schwellkörperkonsistenz im erigierten Zustand, muss man den Schwellkörper des Knotens dem Penisschwellkörper zurechnen. Die Pars longa glandis könnte demnach eine Fortsetzung des Harnröhrenschwellkörpers darstellen. Weshalb sie sich auch wesentlich sanfter den äußeren Gegebenheiten anzupassen vermag. Damit darf man aber alle aus dem Präputium freilegbaren Teile nicht mehr als Eichel bezeichnen.
Weshalb man sich am besten von strikten Analogien entfernt und eben von der "Eichel des Rüden" spricht, die sich aus Pars longa glandis und Bulbus glandis nebst einem gewissen kaudalen Abschnitt zusammensetzt.
Im Folgenden werde ich diese Betrachtungsweise verwenden.
Eichel, Knoten, Knochen
Der Penis endet in der Eichel (Glans penis).
Eichel
Die Eichel (Glans penis) zählt zwar ebenfalls zum Penis, soll aber aufgrund einiger Besonderheiten beim Hund separat beschrieben werden. Der wohl beeindruckendste Teil hundlicher Genitalien sind Eichel und Eichel- oder Penisknoten (Bulbus glandis) des Rüden. In Anatomie und Oberflächenbeschaffenheit bestehen hier gravierende Unterschiede zum Menschen.
Eichelkitzler
Das kraniale Ende der Glans penis wird durch den Eichelkitzler gebildet.
- 1) ein kegelförmiges Gebilde um den Harnröhrenausgang herum
- 2) am kranialen Ende der Pars longa glandis liegend
- 3) im ventralen Drittel des schrägen Endes der Pars longa glandis, mittig gelegen
- 4) der taktil empfindlichste, damit in höchsten Maße stimulierende genitale Reizpunkt des Rüden
- 5) rund einen halben bis einen Zentimeter lang, an der Basis im Durchmesser etwas schmäler
Raphe / Frenulum
- 1) im Embryonalstadium ist der ventrale Penis mit dem Präputium über das Frenulum (Vorhautbändchen) verbunden
- 2) dieses Frenulum ruptiert (reißt) im Laufe der körperlichen Entwicklung
- 3) bleibt es bestehen, kann der Penis nicht ausgeschachtete, kaum zur Säuberung beleckt werden; der Rüde pinkelt gar "um die Ecke"
- 4) sichtbare Reste (ein winziges Hautläppchen) des ruptierten Frenulums finden sich ventral am Eichelkitzler und ziehen sich teils einige Millimeter nach kaudal an der ventralen Seite der Pars longa glandis entlang
- 5) nach wenigen Millimetern geht das Frenulum von seiner dreidimensionalen Struktur in eine hauptsächlich optisch erkennbare Irritation über
- 6) die Unterseite des Eichelschaftes bis hin zum Knoten ist von einer wie vernarbt aussehenden, teils weißlich, teils bläulich verfärbten Linie (die Raphe penis = Naht) gezeichnet; sie wird von parallel laufenden Blutgefäßen begleitet, die zusammen das ansonsten bei der Erektion landkartenähnliche, gleichmäßige Adergeflecht der Pars longa glandis stören
- 7) am kranio-ventralen Ende des Knotens fächert sie bei manchen Rüden völlig auf, verliert sich im weiteren Verlauf. Bei anderen Rüden verläuft sie als erhabene Struktur ventral über den Penisknoten und am erektionsfreien Teil hinter dem Knoten weiter Richtung Präputium
- 8) bis zum Penisknoten ist diese gut sichtbare Struktur bei allen Rüden vorhanden
- 9) ab dem kaudalen Teil des Knotens trifft man auf breite Varianz
- 10) an der ventralen Seite der Öffnung des Präputiums findet sich wieder verlässlich eine Fortsetzung; nun allerdings nur noch als stärker pigmentierte, nicht aber reliefartig abgehobene Struktur nach kaudal verlaufend
- 11) die "Raphe skroti" (Naht am Hodensack) wird zwar in der Tiermedizin beim Hund beschrieben, optisch auffällig wie beim Menschen ist sie jedoch nicht
Aufbau
Wie beim Menschen kann man sie in drei Abschnitte gliedern.
A.) Der erste Teil bildet im Durchmesser eine Fortsetzung des Penisschaftes (entsprechend dem Sulcus des Menschen)
- 1) bis hierhin ist durch Zurückverlagern des Vorhautschlauches der Eichelkörper freilegbar
- 2) beim Rüden der einzige nahezu erektionsfreie Teil der Eichel
- 3) bei einem normalwüchsigen Schäferhund rund eine handbreit (8 cm) lang
- 4) hier verlaufen deutlich sicht- und tastbar die in eine flexible, stabilisierende Struktur eingebettete, zusammen mit dieser etwa fingerdicke (Schäferhund) Harnröhre, die zu- und ableitenden Blutgefäße enormen Durchmessers (mehrere Millimeter, gestaut bis zu Fingerdicke anschwellend)
- 5) um die Harnröhre verläuft der Corpus spongiosum
- 6) dieser Schwellkörper ist als sehr dünne, sehr harte (weniger elastisch als der Schwellkörper des Knotens), die Harnröhre umschließende dünne Schicht palpierbar; proximal des Knoten ist die Harnröhre zudem vom knorpeligen, elastischen Abschluss des Os penis umgeben, der sich noch ein gutes Stück nach kaudal fortsetzt und das Verklappen des Penis beim Übersteigen sicherstellt, ohne dass dadurch die Harnröhre zusammenfällt
Abb. xx: Der bei der Angabe der Abmessungen hundlicher Genitalien meist vernachlässigte, nicht unerheblich lange, hinter dem Penisknoten gelegene Teilabschnitt der Eichel. Er verfügt über kaum erektiles Gewebe, stabilisiert die Eichel während der Friktion, verbleibt dabei jedoch sehr elastisch. Allein dieser Teil verschafft Hündin und Rüde während des Hängens ein klein wenig Handlungsspielraum.
B.) Beim Mann nur ein schmaler, dunkel gefärbter Rand (Corona glandis), folgt beim Rüden die erste hundliche Besonderheit, der Penisknoten (Bulbus glandis). In Analogie zur Pars longa glandis wird der Abschnitt rund um den Knoten "Pars Bulbus glandis" bezeichnet.
Abb. xx: Der Penisknoten (Bulbus glandis)
- 1) im nicht erigierten Zustand macht sich der Knoten nur als unmerkliche Verdickung der Eichel bemerkbar
- 2) um den Bulbus glandis verläuft im kaudalen Viertel rundum deutlich sichtbar ein heller Streifen, der in seiner Beschaffenheit an eine Narbe erinnert
- 3) erigiert schwillt er auf ein Vielfaches Volumen an (bis zu einer Größe eines abgeflachten Tennisballes beim dt. Schäferhund)
- 4) über diesen Knoten verlaufen mittig, dorsal, Blutgefäße mit enormem Lumen, die im gestauten Zustand bei voller Erektion bei einem Bernersenn-Mix-Rüden die Dicke eines menschlichen Fingers erreichen können
Abb. xx: Deutlich sichtbar die großen Blutgefäße, die dorsal des Knotens verlaufen und links, bei einem vierjährigen Schäfer/Berner-Sennen-Hund-Mix die Dicke eines menschlichen, kleinen Fingers annehmen.
- 1) der Bulbus glandis dient der Verankerung des Rüden in der Hündin während des Hängens
- 2) nach dem Penetrieren umschließt die Vaginalmuskulatur die Harnröhre des Rüden kaudal des Knotens und verankert ihn untrennbar in der Hündin
- 3) man stößt auf eine breite Varianz in Größe und Form
- 4) im vertikalen Schnitt, frontal von der Eichelspitze aus betrachtet, erscheint er meist herzförmig, die Spitze zur Bauchdecke gerichtet
- 5) bei manchen Rüden ist er beinahe kugelförmig
- 6) bei manchen Rüden scheint er aus zwei miteinander verschmolzenen, nebeneinander liegenden Kugeln zu bestehen
Abb. xx: Diese Aufnahme zeigt das Größenverhältnis zwischen der Öffnung des Präputiums und dem erigierten Bulbus glandis eines 2 jährigen Schäferhund-Rüden. Es veranschaulicht, warum der Knoten die Vorhautöffnung im erigierten Zustand trotz aller Dehnbarkeit des Gewebes keinesfalls passieren kann.
C.) Folgt nun beim Mann die Eichel in Form eines Hütchens, folgt beim Rüden ein extrem langgezogener, leicht nach dorsal gebogener Schaft. Dieser Teil wird als Eichelschaft, langer Teil der Eichel, vorderer Teil der Eichel oder Pars longa glandis bezeichnet.
- 1) der kaudal des Knotens befindliche Eichelabschnitt verläuft bei manchen Tieren zu einem gewissen Anteil ventral des Knotens in einer von diesem deutlich abgehobenen Wölbung zum langen Teil der Eichel nach kranial
- 2) das verjüngte, schmälste Ende der Pars longa glandis liegt unmittelbar kranial des Knotens
- 3) der anschließende, sich nach kranial verdickende, zylindrische Mittelschaft der Eichel ist leicht nach dorsal, zur Bauchdecke hin gebogen
- 4) dieser Abschnitt wird bei manchen Rüden durch die Erektion so ausgeprägt vergrößert, dass diese Krümmung des Mittelteil verloren scheint und sich der Eichelschaft vom Knoten kommend lediglich in alle Richtungen zeppelinförmig verdickt
- 5) die Pars longa glandis verdickt sich auf den ersten zwei Dritteln ihrer Länge erheblich
- 6) sie verjüngt sich im letzten, kranialen, Drittel wieder etwas
- 7) pilzt danach auf ein bis zwei Zentimetern Länge nochmals etwas auf
- 8) endet in einem schrägen Schnitt
- 9) diese Schnittfläche ist von einem höckerigen Relief, sesamkörnchen- bis pfefferkorngrosser Strukturen besiedelt
- 10) diese Höcker verwischen bei manchen Tieren die seitlichen Begrenzungen der leicht ovalen Schnittfläche teils zu unregelmäßiger Form
- 11) dieses Relief ist bei manchen Rüden kaum, bei manchen extrem stark ausgebildet, bevor es nach einigen Minuten des Hängens unter Gewebeflüssigkeitseinlagerungen mehr und mehr verschwindet
- 12) etwa zentral der abschließenden "Schnittfläche" befindet sich eine mehr oder minder stark ausgeformte, schlitz- oder dreiecksförmige Vertiefung, die aber - auch wenn dies bei manchen Rüden aufgrund der Tiefe dieser Mulde so erscheint - keine Öffnung darstellt
- 13) im ventralen, nach kranial vorspringenden Drittel der abschließenden Fläche befindet sich mittig der Eichelkitzler
Diese grundlegende Anatomie findet sich bei jedem Rüde, jeder Rasse. Die individuellen Unterschiede in Ausprägung und Abmessung können individuell jedoch so stark variieren, dass einzelne Teile beinahe unterschlagen erscheinen.
Abb. xx: Das abschließende Relief der hundlichen Eichel / der Eichelkitzler
Oberflächenbeschaffenheit
- 1) im nicht erigierten Zustand ist die Oberfläche recht einheitlich blutrot, rosa, teils mit einem Stich ins Orangefarbene
- 2) die Raphe und die ringförmige Zeichnung um den Knoten zeichnen sich oft nur schwach ab
Mit dem Aufbau der Erektion zeichnet sich folgendes Bild:
- 1) der kraniale Abschluss der Pars longa glandis, sowie die kaudale Kugelhälfte des Bulbus glandis färben sich rasch nahezu geschlossen blutrot
- 2) die voll erigierte Pars longa glandis, sowie die kraniale Seite des Knotens zeigen sich Großteils hellgrau bis bleigrau, auch grau-blau mit vereinzelten kurzen, dünnen, roten Blutgefäßabschnitten
- 3) in den nächsten Minuten bildet sich ein filigranes rotes Adernnetz in der Oberfläche heraus, das von diesen beiden Enden ausgehend über viele Minuten hinweg (nicht immer) bis zur Geschlossenheit zusammenwächst; das Ergebnis ist ein unregelmäßig geflochtenes, rotes Adernnetz auf hellgrauem Untergrund, ähnlich den Straßen auf einer Landkarte
- 4) nach längerer Zeit des Hängens verwachsen die einzelnen Aderkanälchen (von Tier zu Tier verschieden) zu einer (selten ganz) geschlossenen roten Oberfläche
- 5) aufgrund des großen Innendruckes pressen zeitgleich dickere Blutgefäße bläulicher Färbung an die Oberfläche
- 6) teils bilden sich kleine schwarz-blaue Einblutungspunkte um die einzelnen Adern herum
- 7) es bilden sich zusehens Gewebsflüssigkeitsansammlungen, die die Detailanatomie mehr und mehr verwaschen
- 8) bei manchen Rüden ist der Penis nach 20 Minuten des Hängens nur noch ein recht einheitliches, zigarrenförmiges, gleichmäßig rot gefärbtes Teil mit einer abschließenden Kugel am kaudalen Ende
- 9) bei starker Erregung des Rüden oder erhöhtem Druck aufgrund starken Zuges beim Hängen - wie aber auch bedingt durch körperliche Veranlagung - kann sich das netzartige Aderngeflecht millimeterhoch als Relief aus der ansonsten glatten Oberflächenhaut herauspressen
Abb. xx: Ein extrem stark ausgebildetes Oberflächenrelief an der Glans penis.
- 1) die Gefäßstruktur kann sich mit den ersten Kopulationen leicht verändern, bleibt danach aber wie ein Fingerabdruck lebenslang(?) konstant
- 2) die Oberflächenbeschaffenheit von Eichel und Knoten reicht von spiegelglatt über matt bis rau. Die Mattigkeit kann sich ausweiten bis hin zu sichtbarer Noppenstruktur von Grießkorngröße. Diese Beschaffenheit ist eine Struktur der Oberfläche, von Erektionsstärke unabhängiges, für den einzelnen Rüden charakteristisches Merkmal
Abb. xx: Verschiedene Adergeflechtsstrukturen auf der Pars longa glandis
Sensorik
- 1) da über den Penisknoten die Verankerung in der Hündin teils unter enormer Zugspannung erfolgt, ist der Bulbus glandis kaum berührungsempfindlich; seine kaudale Seite noch weniger als die kraniale
- 2) auf punktuelle Druckreize am Eichelschaft reagiert der Rüde sehr unterschiedlich - meist gar nicht. Hier fällt die Sensorik "sehr löchrig" aus - die Sensorpunkte sind in weitem Abstand zueinander gestreut, weshalb der Rüde weniger auf punktuelle, aber sehr sensibel auf entlang streichende Reize reagiert
- 3) der empfindlichste Teil ist die kraniale, hügelige Abschlussfläche, deren Rand, insbesondere der wie aufgesetzt aussehende Harnröhrenausgang im unteren Drittel, der Eichelkitzler; an diesen Stellen lässt sich der Rüde, der nicht mehr substantiell ejakuliert durch leichteste Berührung sexuell so weit zusätzlich erregen, dass er eine schon teilweise erschlaffte Erektion wieder voll befüllt, die Ejakulation wieder anläuft
Die nur wenige Millimeter herausragende Spitze der Glans penis wird direkt aus dem Präputium in die Vagina der Hündin eingeführt und erlangt erst dort ihre vollständige Versteifung. Sodass sie - wie bei anderen Säugetieren üblich, die zunächst außerhalb des Körpers ihre Erektion aufbauen und danach einführen (z.B. Hengst) - nie in den Kontakt mit der Umgebung gelangt. Weshalb die Oberfläche der Eichel bei der freiliegenden manuellen Stimulation gefährdet ist für mechanische Beschädigung und Austrocknung. Dennoch gilt wie für den beschnittenen Mann, dass die Eichel zwar gewöhnlich von einer feucht zu haltenden Schleimhaut umgeben ist, sie aber von Austrocknung nicht beschädigt wird, lediglich die Zurückverlagerung der Glans penis ins Präputium beim Rüden im trockenen Zustand deutlich erschwert wird.
Nach Dutzenden freiliegenden Stimulationen an einzelnen Tieren konnte ich keine nachteiligen Veränderungen erkennen. Unbeabsichtigte Verletzungen in der Hektik des Aufreitens, verursacht durch die Interventionen anderer Hunde oder während des kraftvollen Zerrens beim Hängen, die zu wenn auch kleinen, aber teils stark blutenden Wunden oder Abschürfungen führten, wurden nicht beachtet. Selbst im Augenblick ihres Entstehens waren meist keine Verhaltensaufälligkeiten feststellbar. Die Reaktion auf im Kontext falsche feinste taktile Reize fiel meist deutlicher aus.
Worauf der Rüde sehr sensibel reagiert, sind alle Reizmuster, die ihn an einen Verlust der Verbindung zum Geschlechtspartner erinnern. Schnelle großflächige Abkühlung durch starkes Belüften der feuchten Glans penis, durch die kalte menschliche Hand oder ein vorsichtiges Entlangstreifen an der Pars longa glandis, ausgehend vom Knoten, hin zum Eichelkitzler, führt, obwohl der Eichelschaft recht unsensibel ist, sehr oft zum Abbruch der Ejakulation, zum Abbau der Erektion. Wohingegen die identische Reizung in umgekehrter Bewegungsrichtung - was dem Rüden offenbar kein Herausgleiten, sondern gar ein tieferes Eindringen vermittelt - teils gar nicht im Verhalten beantwortet wird.
Die Schleimhäute der Eichel mögen bei reibender Belastung rasch perforieren. Eine Reibung ist beim natürlichen hundlichen Sexualakt nicht vorgesehen. Gegen stationären, selbst äußerst starken Druck hingegen ist die Eichel selbst der rauen Menschenhand gegenüber relativ unempfindlich. Was das vom Rüden erwartete, feste - für den Menschen schon grob erscheinende - Umfassen des kaudalen Teils des Knotens erlaubt, ohne ihn zu verletzen, selbst wenn sich der Rüde während des Hängens in diese Fixierung mit einigen Kilogramm Zugbelastung hineinstemmt und sich ständig tappend umherbewegt.
Da man den Rüden an "falsche" Reize gewöhnen kann, er sie bald als offenbar zur Kopulation gehörig hinnimmt, tendiere ich bei all seinen Reaktionen auf diese Fehlreizungen zu der Aussage: Offenbar muss der Rüde nur lernen, dass diese Reize nicht auf eine Gefährdung der Verbindung hindeuten. Mit steigender Erfahrung wird er sie dann dulden. Da mit steigender Erfahrung nun aber auch der Antrieb zu sexuellen Interaktionen immer weiter abgebaut wird, Schmerzimpulsen damit eine immer stärkere "lusthemmende" Wirkung zukäme, die zum bereitwilligeren Abbruch durch den Rüden führen müsste, denke ich, sind solche Fehlimpulse weder schmerzhaft noch sonderlich unangenehm. Setzt man unwillentlich wirklich schmerzhafte Reize, bricht auch der sexuell gestaute Rüde hingegen die Verbindung kompromisslos ab.
Penisknochen
Os penis
Lage
- 1) in der Eichel gelegen
- 2) im nicht erigierten Zustand: zur Hälfte vor, zur Hälfte hinter dem Penisknoten; bis ins kraniale Ende der Pars longa glandis reichend; dort sich oftmals als Ausbuchtung abzeichnend
- 3) bei vollständiger Erektion: rund 2/3 kranial, 1/3 kaudal des Bulbus glandis liegend, oftmals kaudal mit dem Ende des Knotens abschließend; kraniales Ende des Os penis etwa im Mittelteil der Pars longa glandis
- 4) dorsal der Harnröhre gelegen
- 5) müsste aufgrund seiner kompletten Lage in der Glans penis eigentlich "Eichelknochen" genannt werden
Größe
- 1) beim dt. Schäferhund von bleistiftdick bis hin zum Durchmesser eines kleinen Fingers
- 2) Länge rund 12 cm (dt. Schäferhund)
- 3) über alle Rassen betrachtet: Länge zwischen 10 und 15 cm
Form / Aufbau
- 1) geformt wie ein Doppel-S, oder ein "M" mit zur Bauchdecke des Rüden gerichteten Oberseite
- 2) kaudales Ende tropfenförmig und dicker als das spitzere, kraniale Ende
- 3) im frontalen Querschnitt ergibt sich ein U, ein Querschnitt im Bereich des Knoten ein V
- 4) in der sich daraus ergebenden, ventral liegenden Rinne liegt die Urethra eingebettet
- 5) endet kranial knöchern
- 6) geht kaudal des Knotens in eine knorpelige Struktur über, die der Eichel eine gewisse Stabilität und Ausrichtung gibt, dennoch die Rotation um 180 Grad beim Übersteigen ins Hängen ermöglicht; zusätzlich kann die Glans penis - bevorzugt in einem festgelegten Drehsinn, der von der Übersteigungsrichtung abhängig ist - sehr locker um 180 Grad um ihre Längsachse rotieren
Funktion
- 1) schützt die Harnröhre bei der Ejakulation vor einem Verschluss aufgrund des auf sie ausgeübten Erektionsdruckes oder der die Harnröhre fest umschließenden Vaginalmuskulatur
- 2) Hauptaufgabe ist die Versteifung der Eichel ohne die Notwendigkeit einer Erektion. Die Erektion des Rüden dient hauptsächlich der Verankerung des Penis in der Vagina und nicht der Versteifung von Penis und Eichel. Der Rüde penetriert mit einer gewissen, leicht ausgeprägten Vorerektion. Schwillt erst in der Hündin zu voller Größe auf. Eine voll erigierte Pars longa glandis oder gar ein Bulbus glandis könnte die Vulva der Hündin nicht passieren
- 3) aufgrund dieser versteifenden Funktion wird der Penisknochen mancherorts auch als "Fortsetzung des Corpus cavernosum" beschrieben
Abb. xx: Form, Größe und Lage des Penisknochens
Vorhaut
Eichel mit Knoten liegen in der Vorhaut (Vorhautschlauch, Vorhauthöhle, Vorhautsack, Präputium).
- 1) der Vorhautschlauch ist, von Rasse zu Rasse sehr stark variierend, über große Teile seiner Länge (ähnlich wie beim Hengst) mit der Bauchdecke verwachsen, nur im kranialen Ende frei beweglich - im deutlichen Gegensatz zur Anatomie des Mannes
- 2) dennoch ist das Verklappen des Penis beim Hängen um 180 Grad nach hinten möglich ohne die Vorhaut zu beschädigen, gar einzureißen. Zusammen mit der Bauchdecke schiebt sich das bereits nach kaudal hinter den Knoten zurückverlagerte Präputium bei seitlicher Auslenkung der Eichel bis weit zwischen die Hinterläufe des Rüden zurück. Dort verlagert sich die Öffnung des Präputiums nach kaudal weisend
- 3) ein Verklappen des Penis zwischen den Hinterläufen hindurch ist deshalb bei einer Erektion mit im Schlauch verbliebenem Knoten nicht möglich und führt gewaltsam erzwungen zu Verletzungen
- 4) ventral verlaufend setzt sich am Präputium die Raphe penis fort
- 5) zumeist weniger behaart
- 6) die Öffnung ist oft stark (schwarz) pigmentiert
- 7) sie lässt eine voll erigierte Glans penis gerade noch passieren, ist aber nicht für die Passage eines Bulbus glandis geschaffen; weshalb das Präputium bei manueller Stimulation rechtzeitig - nach Aufbau einer Vorerektion, aber vor vollständiger Erektion - zurückverlagert werden muss
- 8) Fettgewebe findet sich im Präputium kaum. Bei sehr stark übergewichtigen Rüden ist zwar der gesamte im Präputium befindliche Penis oft in seitlich verlaufende Fettpolster der Bauchdecke eingebettet. Nach Erlangung der vollständigen Erektion kann die ausgeschachtete Eichel dadurch weitestgehend nach vorne ausgerichtet fixiert bleibt. Die Beweglichkeit ist oft sehr stark einschränkt. Ein Übersteigen ins Hängen kann unmöglich sein. Die Fettschichten können der Verschiebung des Präputiums nach kaudal nicht folgen. Weshalb ein Übersteigen schon nach 90 Grad enden mag. Die Erlangung der Beweglichkeit ist über Dehnübungen möglich. Ins Präputium selbst wird jedoch kein Körperfett eingelagert
Abb. xx: Schematischer Aufbau Glans penis mit Knoten
Die Ejakulation - das mechanische Geschehen
Über das mechanische, bzw. muskuläre Geschehen während der Ejakulation werden unterschiedliche Theorien vertreten.
a.) Das Hodensekret wird aus den Nebenhoden durch peristaltische Kontraktionen sowie die Flimmerhärchen des Ductus deferens durch die Prostata hindurch harnröhrenwärts befördert.
b.) Unmittelbar vor der Ejakulation kontrahieren sich durch Erregung des Ejakulationszentrums im Rückenmark zunächst die Samengänge reflektorisch. Die Austreibung des Inhalts erfolgt durch eine schnelle kräftige Verkürzung des Ductus deferens der dabei sein Lumen erweitert. Schon bei schwacher Reizung verkürzt sich der Ductus deferens auf die Hälfte seiner Länge. Mittels mehrmaliger Kontraktion und Verengung des Lumens wird aus dem prostatischen Bereich des Ductus deferens, den Ampullen, das Ejakulat in die Harnröhre gedrückt. Durch all diese Kontraktionswellen entstehen Druck- und Saugwirkungen. Die Flimmerhärchen des Samenleiters wirken dabei wie ein Ventil: ermöglichen den Fluss in die gewünschte Richtung, stellen sich bei Rückfluss auf und dem Strom entgegen.
Der in die Harnröhre eintretende Samen ruft letztlich ebenfalls reflektorisch Kontraktionen der an der Urethra gelegenen Muskeln hervor. Beckenbodenmuskulatur sowie die Muskulatur um die inneren Teile der Schwellkörper ziehen sich rhythmisch zusammen. Diese wellenförmigen Kontraktionen der Urethra einerseits sowie durch den Schwellkörper, dessen Härte von der Peniswurzel ausgehend bis hin zur Spitze der Glans penis ebenfalls stoßweise pulsiert, befördern das Sperma durch die Harnröhre nach außen.
Damit wird der Samen letztlich in Schüben in die Vagina, beim Hund (ebenso bei Pferd und Schwein) direkt in den Uterus eingespritzt.
Dieses stoßweise Pulsieren, auf das man nicht nur während der Ejakulation aus den Nebenhoden stößt, sondern das vielmehr den gesamten Akt von Beginn des Aufreitens bis zum Ende des Hängens erstreckt, unterliegt nachfolgenden Charakteristika.
- 1) optisch gut sichtbar ist das rhythmische Pulsieren des After-Schließmuskels
- 2) zwischen Anus und Spitze der Glans penis palpierbar sind die von der Peniswurzel ausgehenden, das gesamte Schwellkörpersystem Richtung Glans penis bis zum Harnröhrenausgang durchlaufenden Stoßwellen
- 3) ausgenommen davon der Bulbus glandis, der in seiner Festigkeit konstant bleibt
- 4) dieses Pulsieren ist von recht konstanter Frequenz, es korreliert nur sehr kurzfristig (2-5 sec lang) mit der gesteigerten Erregung bei zusätzlicher Stimulation
- 5) durch zusätzliche punktuelle Stimulation über wenige Sekunden hinweg lässt sich für einen Zeitraum von rund einer Minute die Kontraktionsintensität verstärken; möglicherweise wird von trockener wieder auf substantielle Ejakulation zurück gewechselt
- 6) der Ejakulationspuls besteht aus einer doppelten Muskelkontraktion. Dieser Doppelpuls - sollte er Standard sein - ist er bei manchen Rüden so schwach ausgeprägt, dass er selbst bei elektronischer Erfassung in den anderen Stoßwellen, resultierend durch anderweitige körperliche Aktivitäten, untergeht. Bei anderen Rüden hingegen ist er palpatorisch erfassbar. Oftmals kann er optisch an der doppelten Kontraktion des Afterschließmuskels, doppelt pulsierender Bewegung des Rutenansatzes, einem Pulsieren der gesamten Körperhaltung abgelesen werden; manche Rüden wippen nur im Beckenbereich im Ejakulationspuls über das gesamte Hängen hinweg mit; andere Rüden stehen völlig unbewegt da
- 7) der Ejakulationspuls ist nicht auf den Herzpuls synchronisiert; auch nicht in der dritten, sehr ruhigen Phase des Hängens
- 8) die Ejakulationspulsfrequenz bewegt sich meist zwischen 0,5 und 2 Hz
Abb. xx: Der Ejakulationspuls ist ein Doppelpuls aus einer starken Muskelkontraktion und einer dicht nachfolgenden schwächeren.
Tabelle xx: Ejakulationspulse verschiedener Rüden
- 1) da der Rüde die erste Fraktion schon während der Friktionsbewegungen vor dem endgültigen Aufbau der Erektion ejakuliert, lässt sich erkennen, dass die Erektion stoßweise mit diesen Ejakulationsschüben aufgebaut wird
- 2) eine erschlaffte Erektion wird synchron mit diesem Pulsieren neu befüllt; dies gilt für Knoten ebenso wie Pars longa glandis
- 3) zwischen trockenem und substanzförderndem Pulsieren bestehen kaum Unterschiede in Frequenz und an der Glans penis palpierbaren Intensität der Stoßwellen
- 4) das Umschalten zwischen substanzfördernder Ejakulation und substanzlosem Pulsieren erfolgt (im Gegensatz zum Umschalten auf die zweite Fraktion, das von Taktunregelmäßigkeiten begleitet ist) ohne Störung von Rhythmik, Frequenz und Intensität
- 5) dieses Umschalten korreliert mit der Erregung des Rüden; je geringer diese ausfällt, desto früher wird die substanzielle Ejakulation eingestellt; durch zusätzliche Stimulation kann wieder substanzielle Ejakulation ausgelöst werden
- 6) die Doppelpulsstruktur bleibt in beiden Fällen erhalten
- 7) das stets substanzlose Pulsieren des Kastraten unterscheidet sich in Frequenz und Intensität nicht augenfällig vom Ejakulationspuls des vollwertigen Rüden
- 8) die Erektion des Kastraten wird den gleichen Regeln gehorchend aufgebaut und wiederhergestellt
Größe des äußeren Geschlechtsapparates
Die Größe des Genitalapparates variiert erheblich und korreliert nicht verlässlich mit der Körpergröße des Rüden.
Tabelle xx: Eichelvolumen verschiedener Rassen
Tabelle xx: Größe der Geschlechtswerkzeuge verschiedener Rüden
Abb. xx: Hier sind die zugehörigen Maße in eine Schemazeichnung eingebaut. Wie aus der Tabelle ersichtlich, gibt es bei Mischlingen, die sich aus denselben Rassen zusammensetzen, ebenso wie innerhalb einer einzigen, hochgezüchteten Rasse gewaltige Unterschiede in den Abmessungen. Ich habe einige Sonderfälle gewählt, um zu zeigen, dass sich etwa Cryptorchismus oder Kastration kaum auf die Größe der Geschlechtswerkzeuge auswirkt.
Bei einem Anfangsvolumen von weniger als 50 ccm des erigierbaren Teiles der Glans penis ausgehend, muss ein Schäferhund zwischen zweihundert und 300 ccm Blut in den vorderen Schwellkörper pumpen. Dies geschieht innerhalb weniger Sekunden. Was die voluminösen zu- und abführenden Blutgefäße erklärt.
Je kleiner der Hund, desto relativ größer fällt sein Geschlechtsapparat aus. Was nur eine tendenzielle Aussage ist. Im Einzelfalle mag ein Dackel an die Maße eines dt. Schäferhundes reichen. Manch großer Mischling mit 70 cm Rückenhöhe und mehr, bedient möglicherweise einen Geschlechtsapparat, der dem Westi schallendes Gelächter abnötigt ...
Diagramm xx: Relative Größe der Genitalien bezüglich der Körpergröße
Abb. xx: Relation erigierter Penis - Restkörper im Bild
Die erektile Funktion
Grundsätzliche Unterschiede
A.) Im Gegensatz zu Bulle oder Hengst bei denen der voll erigierte Penis parallel zu Bachdecken verläuft, hängt er beim Rüden haltlos aus der Vorhaut zwischen den Hinterläufen Richtung Boden, da die Eichel kaum von einem Penisschwellkörper, sondern lediglich ein wenig vom zurückverlagerten Präputium gestützt wird. Somit ist der Penis im voll erigierten Zustand vom Rüden nicht mehr für eine Kopulation nutzbringend bedienbar. Der Rüde penetriert deshalb seine Geschlechtspartnerin vor dem Aufbau der Erektion. Die dabei nötige Versteifung wird durch den Penisknochen sichergestellt.
B.) Ohne Gegendruckpunkt kann der Rüde seine Glans penis nicht aus dem Vorhautschlauch ausschachten (Auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel). Erigiert er bei starker Erregung vorschnell innerhalb des Präputiums, bleibt sein Geschlechtswerkzeug fest verankert und unerreichbar. Lediglich größte Anstrengung - etwa beim Absetzen von Kot - kann die Eichel aus der Vorhaut hinaus befördern, zudem in eine vollständige Erektion münden.
Der Rüde kann die schlaffe Eichel belecken, sie dabei bis zur Wurzel aus dem Präputium herausdrücken, indem er den Vorhautschlauch zurückschiebt. Ein Gegendruckpunkt könnte also durchaus das eigene Maul sein. Doch sieht ein Hund offenbar keine Verbindung zwischen dieser Möglichkeit und einer damit möglichen sexuellen Eigenbefriedigung. Unterbleiben jetzt recht genau definierte taktile Reize, schöpft der Rüde aus solch einem Zufallstreffer keinerlei Befriedigung. Berührt er selbst sensorisch höchst empfindliche Zonen, zeigt sich dies in teilweise angedeuteten Friktionsbewegungen, einzelnen Muskeltics des Stützapparates. Eine Erektion wird jedoch auch bei scheinbar gezielter Wiederholung dieser Reizung durch den Rüden selbst nicht aufgebaut.
Aufbau der Erektion
- 1) die hämodynamische, erektile Funktion wird durch den Blutfluss geregelt
- 2) in den Schwellkörpern des Rüden wird durch Verminderung des venösen Abflusses bei gleichzeitiger Erhöhung des arteriellen Zuflusses ein Blutstau angelegt
- 3) die ischiocavernöse Muskulatur (sie umgibt das erstes Drittel der penilen Harnröhre, wurzelseitig) bewirkt die letzte Phase und den Abschluss des Aufbaues der Erektion
- 4) nachdem der Blutzufluss in das Schwellkörpersystem abgeschlossen, der Blutausfluss unterbunden ist und alle cavernösen Räume gefüllt sind, findet kein Blutfluss mehr statt
- 5) die ischiocavernöse Muskulatur sorgt nun durch Kontraktion für den Erhalt dieses Zustandes
- 6) die Dauer dieser letzten Phase, die eigentliche Erektion, ist nur abhängig von der Ermüdung dieser Muskulatur und dem (Un-)Willen des Agierenden, der unwillentlich - beim Hund teils deutlich erkennbar gezielt willentlich - über viele Umwege für ein Erschlaffen der i. m. sorgt, den Blutabfluss ermöglichen und damit den Abbau der Erektion bewirken kann
- 7) dies alles führt zur Vergrößerung und Versteifung des Schwellgewebes, die beim Rüden im Normalfalle rund 20 Minuten gehalten wird
- 8) die Befüllung und Leerung der einzelnen Schwellkörper muss nicht synchron erfolgen
- 9) der Rüde kann je nach Bedarf Pars longa glandis und Bulbus glandis unabhängig voneinander befüllen und leeren
Angepasste Erektion im Pars longa glandis - aggressiv raumschaffende Erektion des Bulbus glandis
Während die Erektion im Bulbus glandis gegen einen enormen, begrenzenden Außengegendruck vollständig bis zur vollen Entfaltung aufgebaut wird, passt sich die Erektion in der Pars longa glandis den äußeren Gegebenheiten, unter denen sie sich heranbildet, sanft an. Nachträglich sich aufbauende, punktuell oder flächig wirkende mechanische Belastungen führen zu einer lokalen Rückbildung. Allerdings rückt das Volumen der Pars longa glandis ebenso wieder in alle Freiräume nach. Ein Zurückdrängen erfordert mehr Kraftaufwand, als ein Unterdrücken der Heranbildung.
Manuell kann das Blut des Schwellkörpers der Pars longa glandis während des simulierten Hängens vorsichtig bis zu vollständiger Rückbildung langsam ausgepresst werden. Die stört den Rüden nicht. Es führt nicht zum Abbruch der Verbindung. Der Ejakulationspuls bleibt dabei unverändert. Diese Aktion wirkt bei langem Hängen sogar stimulierend, wie man an der danach gesteigerten Ejakulationspulsfrequenz oder der Umschaltung zurück auf substantielle Ejakulation feststellen kann. Die Pars longa glandis wird jedoch ständig im Ejakulationspuls nachbefüllt, weshalb sie rasch zu raumfüllender Form zurückfindet.
Dass bei der manuellen Stimulation der umfassende leichte Gegendruck der Vagina auf die erektilen Teile des Rüden vollständig fehlt, bewirkt keine erektilen Fehlfunktionen. Es zeigen sich auch auf lange Sicht keinerlei gewebeschädigende Folgen.
Eine manuelle Entleerung des Bulbus glandis ist hingegen unmöglich. Er macht sich raumschaffend breit und verbleibt in seiner Form bis zum Abbruch der sexuellen Verbindung unverändert und unangepasst.
Der Effekt der Nichtlinearität zwischen Penisgröße und Körpergewicht, sowie die angepasste erektile Funktion erklären, warum Hunde mit enorm unterschiedlicher Körpergröße erfolgreich und verletzungsfrei kopulieren können.
Abb. xx: Glans penis vor und während der Erektion
Korrelationen zwischen erektiler Funktion und sexueller Erregung
Die Aufbaugeschwindigkeit und die letztlich erreichte Größe / Festigkeit der erektilen Teile korrelieren direkt mit der sexuellen Antriebigkeit des Rüden. Der gestaute Rüde baut seine Erektion innerhalb weniger Sekunden auf - wenn er nicht acht gibt, schon im Vorhautschlauch, was alle weiteren Interaktionen unterbindet - , erreicht dabei größtmögliche Festigkeit. Der übererregter Rüde arbeitet mit einem Innendruck, der zu großflächigen Einblutungen in die Eichel führen, die peripheren kleine Blutgefäße millimeterhoch in der Schleimhaut abzeichnen kann. Das höckerige Relief des schrägen Endes der Eichel tritt mit scharfen Konturen hervor.
Der sexuell ausgeglichene, ausgelastete, aber zu Interaktionen bereite Rüde erigiert beinahe genauso schnell und fest. Er ist aber so beherrscht, dass er zur richtigen Zeit und nicht in gewebeschädigender Weise erigiert. Dieser Effekt ist wiederholbar: Nach einigen Interaktionen erigiert obiger Rüde mit Neigung zu Hypererektion zeitlich korrekt. Der Innendruck pendelt sich rasch auf ein als normal zu bezeichnendes Niveau ein. Enthält man ihm die regelmäßige Masturbation für vier Wochen vor, arbeitet er höchstwahrscheinlich erneut mit körperlichen Überfunktionen. Die Befüllung der Schwellkörper wird bis zum Platzen kleiner Gefäße vorangetrieben. Womit sich dieser Effekt keineswegs über Gewöhnung und Training des Gewebes erklären lässt, sondern wirklich auf den Innendruck im Schwellkörper zurückzuführen ist und dieser wiederum von der Antriebigkeit des Rüden abhängt.
Sexuell ausgelastete Rüden, die weitere Interaktionen momentan nicht aktiv anstreben, aber Masturbation dulden, erigieren teils nur bis zum halben möglichen Volumen, ohne nennenswerte Verfestigung und Versteifung der Glans penis. Teils unterbleibt die Erektion völlig, obwohl der Ejakulationspuls - oft trocken - anläuft. Der Rüde duldet ein manuell vorgenommenes Ausschachten der Eichel passiv, übersteigt danach meist sogar korrekt über den schlaffen Penis. Spätestens nach einigen Sekunden des Hängens wird er sich jedoch mehr oder minder vehement zu Entfernen versuchen.
Der Kastrat mag trotz intensivster Stimulation die Erektion nur sehr langsam aufbauen. Sexuell unerfahrene Kastraten, die mit ihrem vom Menschen gewährten möglichen Ersatz-Sexualleben noch keine Erfahrungen sammeln konnten, sind deshalb hin und wieder nur mit Mühe und sehr zeitaufwändig zu einer brauchbaren Erektion hinauf zu stimulieren. Der sexuell vorerfahrene Kastrat oder der nachträglich auf Sexualität geschulte, stört sich an der nicht mehr vorhandenen Fähigkeit zu substantieller Ejakulation kaum. Er pulsiert trocken und baut seine Erektion genauso schnell und fest auf, wie der gesunde Rüde. Ein Effekt, der sich zur Beantwortung der Frage heranziehen lässt, wie es um die bisherigen sexuellen Erfahrungen des Kastraten steht. Vergleichbar "normal" geschieht der Abbau der Erektion, mit allen erektilen Möglichkeiten der willentlichen Beeinflussung, die auch dem vollwertigen Rüden zur Verfügung stehen.
Der erregte Rüde wird meist bis zuletzt voll erigiert substantiell ejakulieren. Möchte er abbrechen, wird er ohne zu zögern das Volumen des Bulbus Glandis innerhalb weniger Sekunden auf einen Durchmesser der zu diesem Zeitpunkt noch nahezu voll erigierten Pars longa glandis reduzieren. Damit findet die Vaginalmuskulatur der Hündin keinen Halt zur weiteren Fixierung mehr - der Rüde kann sich durch leichten Zug aus ihr entfernen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem man ihn bei manueller Stimulation aus der Fixierung entlassen sollte. Die Eichel kann, da sich nun auch das Volumen der Pars longa glandis reduziert, noch teilerigiert vom Rüden unter Mithilfe des Retraktormuskels (gegebenenfalls durch zusätzliches Belecken) in das Präputium zurückverlagert werden.
Der lustlose Rüde erschlafft gleichmäßig in Pars longa glandis und Knoten. Meist vergleichsweise langsam, teils über mehrere Minuten hinweg.
Möchte sich der Rüde blitzschnell von seinem Partner lösen, kann die absurde Kombination entstehen, dass sich der Knoten innerhalb weniger Sekunden vollständig zurückbildet, die Pars longa glandis jedoch noch voll erigiert bleibt, im Durchmesser nun größer als der Knoten. Eine Hündin könnte so etwas wiederum nicht mehr fixieren. Als Mensch wird man möglicherweise gebissen, wenn man nicht auslässt. Diese Situation mag entstehen, wenn dem Rüden ein arger Fehlimpuls an den Genitalien vermittelt wurde, er durch das Geschehen in der Umgebung sehr beunruhigt ist, erschrickt - und deshalb nur noch um jeden Preis seine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit zurückerlangen möchte. Da alles sexuelle Interesse augenblicklich erlöscht, wird ein Partner der die Verbindung aufrechtzuerhalten versucht, vehement abgewehrt.
Ein Abschwellen der Pars longa glandis unter Beibehaltung der Erektion im Penisknoten deutet zwar auf sexuelle Lustlosigkeit (meist während des Hängens) hin, zeigt aber, dass der Rüde die Pflichterfüllung wahrt: Trotz dem er keinerlei Interesse mehr an sexuellen Interaktionen zeigt - oft kann mal ihn nicht einmal mehr durch intensive zusätzliche Stimulation zu einem wenigsten trockenen Ejakulationspulsieren stimulieren - arbeitet er den Naturauftrag, das minutenlange Abwarten der Befruchtung, brav ab. Sexuelles Interesse zeigt ein solcher Hund keines mehr. Er spielt an vor ihm liegenden Gegenständen herum, horcht aufmerksam, schnuffelt.
Diese Effekte waren bei verschiedenen Rüden reproduzierbar. Jedoch verwaschen zahlreiche Störeffekte und Abhängigkeiten die Klarheit dieses Verhaltens. Der Charakter des Hundes spielt herein. Sein individuelles Sexualverhalten. Seine Selbstsicherheit im Umgang mit dem Menschen, speziell mit seinem aktuellen Befriediger. Nicht zuletzt sein sexueller Erfahrungshorizont, sowie rein organische Unterschiede. Je (sex)erfahrener der Rüde war, je vertrauensvoller der Umgang zwischen Mensch und Hund, desto klarer schälten sich beschriebene Abhängigkeiten heraus.
Dass die sexuelle Antriebigkeit, damit die sexuelle Erregung beim Akt sehr stark von der Frequenz der sexuellen Interaktionen abhängt, erkennt man zweifelsfrei an der vermehrten Speichelsekretion, besser noch am gesamten Appetenzverhalten unmittelbar vor, sowie dem Verhalten während der Masturbation. Um deutliche Unterschiede in der Antriebigkeit feststellen zu können, reicht es meist aus, einem über einige Wochen hinweg einmal wöchentlich masturbierten Rüden zwei Masturbationen in Folge vorzuenthalten. Schon in der dritten Woche ist ein bis dato sexuell ausgeglichener, in Anwesenheit von gleichgeschlechtlichen Konkurrenten bei der Masturbation schüchtern zurückhaltender Rüde, zu vehementen Beißattacken gegen Konkurrenten bereit, um ungehindert zur Masturbation zu gelangen. Für die Qualität dieser Reaktion ist es relativ irrelevant, ob man mit dem Tier zusammenlebt oder es überhaupt nur zu diesen Masturbationen kontaktiert. Auch in der Zwischenzeit von anderen betreuenden Personen durch Ausflüge und Spiel abgelenkte Tiere vergessen darüber nicht, dass ihnen schon einige Tage "etwas vorenthalten wird", worauf sie aufgrund der bisherigen Regelmäßigkeit einen gewissen Anspruch erheben.
Alles in allem erwies sich der erektile Zustand der Pars longa glandis als der feinfühligere Anzeiger des Erregungszustandes. Dem Bulbus glandis kommt offenbar eine zu starke Funktion (die Arretierung beim Hängen) zu, um anhand seiner Konsistenz quantitative Abschätzungen des Antriebes vornehmen zu können. Ändert sich dessen Konsistenz, drückt der Rüde damit keine feinen Stimmungen , sondern vielmehr eine feste, teils unabänderliche Absicht aus.
Kontrolle über die erektile Funktion
Kann man alle eben beschriebenen Fälle von vermeintlicher Kontrolle über die erektile Funktion immer noch als rein reaktives, reflektorisches Geschehen beurteilen, so stieß ich immer wieder auf Situationen, die eindeutig und unmissverständlich auf willentliche Kontrolle der erektilen Funktion durch den Rüden hinweisen.
Einige Zeit experimentierte ich mit mehreren einer Masturbation beiwohnenden Hunden. Ein Schäfer-Bernersenn-Mix Rüde konnte sich über das Setzen einer Urinmarke eines seiner Konkurrenten solchermaßen erbosen, dass er sich mitten im simulierten Hängen durch sekundenschnelles Abschwellen des Bulbus glandis von mir löste. Er versuchte die Urinmarke auszulöschen - was ihm hin und wieder durch die Blockade der Urethra sowie den noch teilerigierten Penis erschwert wurde. Teils zeigte er sich sichtbar frustriert über seine Zielungenauigkeit. Wollte der Strahl in diesem körperlichen Zustand doch nie genau dort landen, wo er sonst endete. Nach vollendeter Tat trat er oft in unmissverständlicher Manier an mich heran, um dort weiter zu machen, wo er eine Minute zuvor abbrach. Er wollte nicht die Verbindung von neuem starten. Versuchte nicht wie beim Aufbau einer Verbindung Aufzureiten und Friktionsbewegungen zu starten. Ich sollte einfach seinen Knoten erneut umfassen, ihm am besten gleich manuell die Eichel zwischen den Hinterläufen hindurchführen. Woraufhin sich die Erektion im Bulbus glandis wieder voll entfaltete, die Ejakulation der dritten Fraktion (wie zu erwarten nahezu völlig samenfrei) einsetzte und er zudem meist auch noch recht genau - alle Aktionen zusammensummiert - seine individuelle Hängzeit absolvierte, als hätte es nie eine Störung gegeben.
Eine "Umerziehung" dahingehend, dass er eine Verbindung völlig neu aufbauen sollte, mit den Komponenten Klammern, Friktionsbewegungen und Ejakulation aus allen drei Fraktionen, war nicht möglich. Obwohl ich ihn durchaus dahingehend formen konnte, zwei oder gar drei "Paarungen an der Hand" mit all diesen Komponenten und nur wenigen dazwischenliegenden Minuten der Pause in jeweiliger Dauer von 10-20 Minuten zu vollziehen.
Nach einiger Zeit, in der sich die Rangordnungen dieser bestimmten Gruppe massiv verschoben hatten, war dieses Verhalten von Abbruch und Wiederaufnahme nicht mehr reproduzierbar.
Experimentiert man mit einem Rüden, der gerne Ausflüge mit dem ihn gerade masturbierenden Menschen unternimmt, so kommt es vor, dass bei verbaler Ankündigung während des Hängens der Rüde noch bewegungsbeschränkt aufgeregt zu tänzeln und jaulen beginnt. Plötzlich irritiert innehält. Sich in diesem Moment sein Bulbus glandis blitzschnell leert. Und - nun endlich voll bewegungsfähig und befreit - in seiner üblichen Erwartungshaltung des Ausfluges harrt.
Halt! - mag der Ethologe einwenden. Er tanzte gefesselt herum. Dies verursachte unangenehme, gar schmerzhafte Reize an den Genitalien - was zum rein reflektorischen Abbau der Erektion führte.
Gut gekontert. Doch dem halte ich folgende Beobachtung entgegen: Mein eigener Rüde brach einige Zeit exakt bei Ankündigung des Ausfluges, ohne jedwede zusätzliche Bewegung, die Erektion im Knoten ab. Wartete geduldig die wenigen Sekunden, bis er sich lösen konnte und begann danach erst aufgeregt zu tänzeln.
Andere Rüden machten in vergleichbarer Situation einen sehr geknickten Eindruck. Vermenschlichend könnte man ihnen den Gedanken unterstellen "Wie soll ich bitteschön einen Ausflug mit Dir unternehmen, wenn ich doch hier noch 'rumhänge?" Nach Abschluss der Verbindung, einige Minuten später, startete aber ohne weitere Ankündigung das typische Verhalten, das einem angekündigten Ausflug vorausgeht. Der Hund erinnerte sich folglich die ganze restliche Zeit des Hängens über, was folgen wird. War aber offenbar nicht in der Lage, durch Abkürzung des Sexualaktes, das für ihn offenbar wertvollere Ereignis zeitlich vorzuziehen.
Mancher Rüde steht, brach man das Hängen zu früh ab, voll erigiert ratlos in der Gegend herum. Erscheint gezwungen, seine gestartete Handlungskette Sexualakt bis zu einem gewissen Ende abzuspulen. Wird dem gleichen Rüden in vergleichbarer Situation mit dem ihm bekannten Ausdruck "Gehen wir weiter ...!" die Fortsetzung des Ausfluges angedeutet, kann er aber plötzlich doch sehr schnell die Erektion abbauen, die Eichel im Präputium verstauen und mitkommen. Aktionen, die er allesamt vor dem Loslaufen unternimmt und nicht erst - dann vielleicht wirklich nur reflektorisch - wenn ihm da hinten immer wieder mal etwas schmerzhaft buchstäblich zwischen die Läufe kommt.
Auf solche Ergebnisse stößt man selbstverständlich nur bei sexuell völlig ausgelasteten Rüden. Man benötigt Tiere, die Sexualität "so über haben", dass so ziemlich alles andere wichtiger ist als die derzeitige sexuelle Verbindung. Rüden, die den Eindruck erwecken, sich auf die sexuelle Interaktion nur eingelassen zu haben, "weil sie halt gerade eben nix besseres zu tun wussten". Der gewöhnliche Haushund würde um nichts in der Welt freiwillig eine sexuelle Verbindung abbrechen. Dies zeigt, dass viele Komponenten im Sexualverhalten keineswegs fixe Abläufe, sondern vielmehr abhängig von der aktuellen Motivation sind.
Solche Begebenheiten blieben die Ausnahme, waren teils nur am einzelnen Tier wiederholbar, lagen in ihrem Auftreten im kleinsten prozentualen Anteil. Doch widerlegen bereits diese seltenen, vereinzelten Fälle die Aussage, der Hund habe generell kein willentliches Mitspracherecht in seiner, wie es immer noch genannt wird "Handlungskette" Sexualität. Sie belegen, dass die Möglichkeit willentlicher Kontrolle besteht, der zumeist sexuell gestaute Rüde sie lediglich praktisch so gut wie nie nutzt.
Sexuelle Erregung und Erektion - Unterschiede zum Menschen
Da der Rüde erektionsfrei penetriert, darf sich sexuelle Lust niemals - wie dies beim Menschen der Fall und bei diesem auch höchst sinnvoll ist - in Form einer Erektion niederschlagen. So baut der (erfahrene!) Rüde beim Beschnuffeln von Urinmarken läufiger Hündinnen - oder gar beim Erkunden der paarungsbereiten Hündin selbst - maximal die zum Aufreiten gerade noch brauchbare, unwesentliche Vorerektion auf. Eine volle Erektion trägt er tagsüber hin und wieder in asexuellen Situationen der Freude oder Aufregung, bei rein körperlicher Anspannung aber auch wähnend des asexuellen intimen Umganges (Massage, Streicheln) mit sich herum.
Deshalb kann man den (sexuellen) Erregungszustand kaum an der Erektion ablesen. Eine solche muss der Rüde im Falle sexuellen Interesses und Möglichkeit, dieses auszuleben vielmehr schnellstmöglich wieder abbauen. So wird er selbst in Situationen stärkster sexueller Erregung, trotz kaum mehr zu bremsenden Appetenzverhaltens, das nur noch nach Aufreiten und Penetrieren drängt, versuchen, sich erektionsfrei zu halten. Obwohl er möglicherweise schon Sekunden später - ist er erst in die Hündin eingedrungen - seine erektile Funktion in vollem Umfang ausspielen muss. Auch dabei offenbart sich einmal mehr die willentlicheKontrolle von Körperfunktionen, die beispielsweise der Mensch nicht unter seine Herrschaft zwingen kann.
Der Ethologe mag einwenden, dies sei überhaupt nicht "Selbstbeherrschung des Hundes". Dies seien lediglich seine natürlichen Sexualfunktionen. Dem möchte ich folgende Situation entgegenhalten:
Zieht sich beim, dem Hund schon verständlich angekündigten sexuellen Kontakt zum Menschen das Animations-Vorspiel zu lang hin, baut sich durchaus eine (lustbedingte?) vollständige Erektion im Vorhautschlauch auf. Womit sich bestätigt, dass der Rüde "Lust und Sex" durchaus mit "Erektion der Genitalien" verbindet. Nicht der Auftrag "sich unter allen Umständen erektionsfrei zu halten" steht an erster Stelle. Vielleicht sagt ihm aber unmittelbar vor dem Übersteigen der Hündin ein natürlicher Mechanismus, dass nun der Abbau der Erektion nötig ist. Den Abbau einleiten muss er dann aber trotz weiter gesteigerter sexueller Erregung wohl selbst mehr oder minder aktiv. Worin sich durchaus willentliche Kontrolle und Beherrschtheit offenbart. Ein Aspekt, der dennoch Streitfrage bleiben könnte ...
Dass sexueller Erregung und erektile Funktion im unmittelbaren Umfeld einer Masturbation durchaus korrelieren, so der Rüde nicht massiv eingreift, zeigen all die unerfahrenen Tiere, die den weiteren Ablauf des Geschehens durch eine im Präputium aufgebaute, vollständige Erektion blockieren. Diese Selbstblockade kann auch dem erfahrenen Rüden bei starker sexueller Erregung widerfahren. Was alles auf die Verbindung Sex und Erektion im Hundekopf hinweist.
Abb. xx: Die Vorerektion vor dem Penetrieren der Geschlechtspartnerin
Weitere erektile Effekte
Penisknoten und Pars longa glandis können erektiv nahezu unabhängig voneinander bedient werden. Obwohl dies keine für mich erkenntliche Funktion erfüllt. Bei gefülltem Penisknoten kann der Rüde den langen Teil der Eichel völlig erschlaffen lasen. Gerade als wolle er eine kurze Pause einlegen, die Verbindung zur Hündin aber noch nicht kappen. Wenn er andererseits aus der Hündin flüchten möchte, kann er in wenigen Sekunden den Penisknoten im Durchmesser unter die Dicke der Pars longa glandis abschwellen lassen. Wie das Anschwellen von Knoten und Pars longa glandis meist synchron erfolgt, bildet sich die Erektion meist ebenso symmetrisch, mit etwas Vorsprung des Knotens, zurück. Je nach Motivation des Rüden und Ursache des Abbruches erschlafft der verankernde Knoten teils deutlich schneller oder langsamer als der restliche Eichelschwellkörper.
Ein vollständig erigierter Bulbus glandis im Präputium ist dem Rüden keineswegs sichtbar unangenehm. Eine solche Situation entsteht den Tag über häufig - im Umgang mit dem Halter, mit Artgenossen, teils im Schlaf. Beobachtet man den Rüden engmaschige, bemerkt man, dass die Erektion den Tag über ständig zwischen nicht vorhanden und vollausgeprägt alle Stimmungen und Aktionen des Rüden unterstreichend begleitet. Dies führt nicht zu Verletzungen. Ebenso wenig zu Auffälligkeiten im Verhalten des Rüden, die darauf hindeuten könnten, dass ihn etwas stört oder drückt, gar schmerzt. Nicht einmal ein kräftiges Umfassen der im Präputium erigierten Glans penis oder des Knoten wird in auffallender, sich von sonstigen Interaktionen abhebender Weise beantwortet oder abgewehrt.
Der Rüde duldet ein fixierendes Festhalten seines Genitalapparates nur solange sein Penisknoten gut bis voll befüllt ist. Versucht man ihn bei während oder nach dem Verkehr erschlafften Knoten - selbst unter Beibehaltung der Erektion an den restlichen Teilen der Eichel - weiterhin zu fixieren, kann dies selbst beim vertrauten Hund zu blitzschnellen Beißattacken führen. Ein Abschwellen des Knotens heißt "Ich will mich jetzt trennen!" - und der Rüde wird sich trennen! Zur Not mit Gewalt. Man kann ihn bestenfalls durch geschickte intensive zusätzliche Stimulation zum Weitermachen animieren.
Erektile Funktion und Kastration
Die erektile Funktion ist von einer Kastration weitestgehend unabhängig, sofern sie erst vorgenommen wird, wenn der Rüde körperlich voll entwickelt ist. Unvollständige erektile Funktion stellt kein organisches Problem dar, sondern ist lediglich Ausdruck von Unwilligkeit des Rüden. Eine schlaffe Erektion deutet nicht auf Unfähigkeit hin, sondern lediglich auf Mindermotivation zu sexuellen Handlungen. Ein erregter Kastrat erigiert genauso voluminös, hart und zeitlich lang wie sein vollständiger Kollege. Genau wie sich beim Kastraten nach bisher genannten Regeln Größe, Festigkeit und Länge des Aufrechterhalts der Erektion verändern.
Hängen, Orgasmus und Ejakulation
Das "Hängen"
Mit dem so genannten "Hängen" unterscheiden sich die Caniden, so auch der Haushund, in ihrem Sexualverhalten grundlegend von dem des Menschen und der meisten Säugetieren.
Von Mann, Hengst und Rüde wird der Penis unter Ausstoß eines gewissen Vorsekrets in die Geschlechtspartnerin eingeführt. Bei allen dreien kommt es, so sie denn zielstrebig arbeiten und nicht noch ein wenig luststeigernd herumspielen möchten, innerhalb einiger Sekunden (bis hin zu rund zwei Minuten) zur Ejakulation aus den (Neben-)Hoden. Danach steigen sie - für einige Zeit an sexuellen Handlungen nicht mehr interessiert - vom Partner herunter. Die Sache ist abgeschlossen.
Nicht so für den Rüden. Dieser übersteigt lediglich mit einem Hinterlauf sein eigenes Geschlechtsteil und bleibt dabei fest in der Hündin verankert. Unerfahrene Rüden können damit Probleme haben, entweder gar nicht oder nicht vollständig übersteigen.
Funktion des Hängens
Im Tierreich gibt es viele Methoden, einem unmittelbaren Nachfolger den Erfolg seiner - vom Vorbesteiger natürlich unerwünschten - Kopulation zu versauen. Schweine, Pferde und andere versiegeln den Cervix des weiblichen Parts, teils die gesamte Vagina mit einem Schleimpfropfen. Die Caniden haben das Prinzip des Hängens erfunden. Sie vollziehen damit nicht nur die Begattung, sondern bleiben verbunden, bis auch die Befruchtung erfolgte - oder die Spermien einen solchen Vorsprung erlangt haben, dass selbst ein sofort anschließend kopulierender Konkurrent kaum noch über Erfolgschancen (in diesem "Durchgang") verfügt.
Die Hündin ist von der Natur wiederum so geschaffen worden, dieses Prinzip der Sicherung zu umgehen und in jeder fertilen Phase mehreren Partner eine Chance einzuräumen. Dazu produziert sie zeitlich versetzt mehrere Eizellen So kann es dennoch vorkommen, dass die Welpen aus einem Wurf von verschiedenen Vätern stammen.
Ejakulation im Hängen
- 1) Das Hängen ist meist mit der dritten Phase der Ejakulation kombiniert. Manche Rüden übersteigen jedoch so frühzeitig, dass sie erst im Hängen die zweite Fraktion ejakulieren. Manche lassen sich Zeit und übersteigen erst zeitlich tief in der dritten Fraktion befindlich.
- 2) Ohne weitere Stimulation versiegt die substanzielle Ejakulation nach wenigen Minuten und der Rüde pulsiert nur noch trocken.
- 3) Vielgenutzte, ausgelastete Rüden können sogar dieses trockene Pulsieren einstellen, dennoch auf ein viele Minuten lang andauerndes Hängen bestehen.
Verhalten beim Hängen
Ist peripherer Stress weitestgehend ausgeschaltet, die Verbindung für den Rüden Routine, so zeigt sich im Hängen eine starke Individualität.
- 1) Manche Rüden lieben die permanente Spannung, einen unheimlichen Zug am Penisknoten. Sie stehen dabei aber ruhig.
- 2) Andere legen keinerlei Wert auf Zugspannung, geben einer solchen aktiv nach, stehen ebenso ruhig.
- 3) Manche Rüden wackeln, wippen und pulsieren mit dem ganzen Körper unruhig herum. Tappen ständig hierhin, dorthin. Arbeiten sich so mehrmals im Kreis um den Kopulationspartner herum, der dieser Drehbewegung in irgendeiner Weise folgen muss.
- 4) Dazwischen stößt man auf alle denkbaren Mischformen.
Scheinbare Fluchtversuche während des Hängens sind keine Versuche, die Verbindung abzubrechen, sondern dienen offenbar dazu, die Festigkeit der Verbindung, damit die Willigkeit des Partners zu testen. Wie man an der verstärkten Ejakulation des Rüden ablesen kann, bewirken sie bei Standhaftigkeit und Unnachgiebigkeit des Partners eine Steigerung der eigenen Erregung.
Je länger das Hängen andauert, desto empfindlicher reagiert der Rüde auf Fehlreizungen mit steigernder Bereitwilligkeit zum Abbruch.
Ist das Hängen dem Hund unangenehm?
Immer wieder wird in der Literatur behauptet, das Hängen sei für Rüde wie Hündin eine schmerzhafte Sache. Dem ist jedoch nicht so!
Dem Rüden ist das Hängen nicht nur nicht unangenehm. Er strebt es vielmehr aktiv an. Bricht man die Verbindung nach der Ejakulation aus den Hoden ab, ist die Sache für ihn nicht abgeschlossen und damit sicher nicht voll befriedigend. Er versucht nach dem Abbau der Erektion oftmals eine neue, vollständige Kopulation zu starten. Da der Rüde dazu neigt, im Umgang mit dem Menschen alsbald unsinnige, arbeitsintensive, ihm vielleicht zu dominant behaftet erscheinende Komponenten seines Sexualverhaltens auszusparen, er also durchaus aus einem vermeintlichen starren Handlungsschema ausbrechen kann, würde er, so ihm das Hängen physisch oder "psychisch" unangenehm wäre, dieses wohl ebenfalls irgendwann auszulassen versuchen. Was bei mir nie geschah.
Verursachte das Hängen Schmerzen, wäre der Rüde jederzeit in der Lage, die Verbindung zu trennen. Winzige Fehlreizungen, die nicht einmal unangenehm sein müssen, dem Rüden lediglich bedeuten, er steht im Begriff die Verbindung einzubüßen, führen schon zu einem blitzschnellen Abbau der Erektion besonders im Bulbus glandis. Unabhängig ob sie gleich zu Beginn, oder erst einige Minuten nach Aufbau der sexuellen Verbindung auftreten.
Ob der etwas betreten erscheinende Gesichtsausdruck bei Hündin wie Rüde, egal ob bei der manuellen Stimulation oder der natürlichen Verpaarung Signal an die Umwelt, an den Partner oder Ausdruck innerer Stimmung ist, konnte ich nicht definitiv unterscheiden. Der Gesichtsausdruck ist wichtig zur Aggressionshemmung bei umstehenden Konkurrenten (vgl. Kapitel "Altruismus"). Er mag ebenfalls als "Entschuldigung" für die penetrante Unterschreitung der Individualdistanz an den Partner gelten. Doch behalten auch Hunde, die nie in Anwesenheit von Konkurrenten schon viele Hunderte Male mit einem Partner, dem sie deshalb völlig vertrauen, dem gegenüber keinerlei Beschwichtigungssignale mehr nötig wären, diese Verunsicherung ausdrückende Mimik bei. Was auf einen Ausdruck von innerer Stimmung hindeuten mag.
Manuell stimuliert kann der Rüde überstiegen oder nicht überstiegen genauso bequem stehen. Übersteigt er nicht, wäre ihm nicht der Körper der Hündin im Wege. Zudem kann man ihm nach einem Übersteigen den Penis wieder nach kranial zwischen den Läufen hindurch zurückverlagern. Meist wird er dies mit sofortigem erneuten Übersteigen beantworten. Vorteile hinsichtlich Bequemlichkeit werden also nicht genutzt. Hier tippe ich auf angeborenes Verhalten - Übersteigen gehört einfach dazu. Wäre das Hängen unangenehm, könnte der Rüde die angebotene, bequemere Stellung wählen. Dass er die dazu nötige Entscheidungsfreiheit durchaus besitzen könnte, wenn wenigstens ein halbwegs gewichtiger Grund für eine Verhaltensänderung existierte, beweist all seine anderweitig in Erscheinung tretende Flexibilität in seinem Sexualverhalten. Legt ein Rüde oft nahezu alle Friktionsbewegungen ab, nachdem man ihm gezeigt hat, dass diese im Umgang mit dem Menschen nicht nötig, vom Menschen vielleicht gar nicht erwünscht sind, so wird eine solche Möglichkeit in Sachen Übersteigen nicht wahrgenommen. Obiger "betretener Gesichtsausdruck" ist vom Übersteigen unabhängig, darf also nicht als Hinweis auf "unangenehmes Empfinden durch das Übersteigen" betrachtet werden.
Die erektile Funktion verändert sich überstiegen oder nicht ebenfalls nicht augenfällig, weshalb dem Übersteigen an sich keinerlei funktioneller Vorteil zukommt - außer dem, dass es sich bei der natürlichen Verbindung bequemer steht.
Empfinden ist schlecht messbar. Das Pulsgeschehen während des Hängens bewegt sich im Bereich entspannten Ruhepulses, was gegen Verunsicherung, Stress, Schmerz oder gar Angst spricht.
Warum steht der Rüde nach dem Übersteigen aber dann so scheinbar schmerzhaft verkrümmt da? Die verkrümmte Haltung, vielmehr, die damit verbundene Streckung der hinteren Gliedmaßen, unterstützt den Effekt der nervlichen Bahnung (ausführlicher für den Sexualakt des Menschen beschrieben), fördert damit die Ergiebigkeit der Ejakulation. Beim Aufreiten geschieht dies automatisch, da der Rüde sich strecken muss, um überhaupt erfolgreiche Friktionsbewegungen auszuführen zu können. Nach den Übersteigen würde diese Spannung erlöschen, weshalb sie durch den Rüden mit dieser scheinbar absurden Haltung aufrecht erhalten wird. Was erklärt, warum nur der Rüde, nicht aber die Hündin verkrümmt "hängt".
Was empfindet der Hund während des Hängens?
Ich gewann den Eindruck, in erster Linie langweile er sich. In zweiter Linie störe er sich an der Fesselung. Im Laufe halbstündigen Hängens erwacht mehr und mehr das Interesse an der Umwelt. Der Sexualakt, wird immer mehr zu einem "Abwarten, wann die Sache endlich erledigt ist".
Man kann den Hund mit einem Stock oder Stofftier parallel zum Hängen in ein Spiel verwickelt, bei dem er interessiert mitspielt. Man kann ihn bürsten und Zecken ziehen. Er wird sich dabei fast genauso verhalten wie zu jedem anderen Zeitpunkt in solchen Situationen - nur dass er "halt hinten festhängt", was seine Bewegungsfreiheit immer wieder beschneidet. Dies wird von ihm teils beinahe ärgerlich registriert. All diese Ablenkung bringt aber weder den Rhythmus der Ejakulation noch die Härte der Erektion durcheinander. Was als Hinweise auf eine nahezu maschinelle Unabänderlichkeit der Handlungskette "Sexualakt" gewertet werden könnte.
Sexuelle Lust kann man Rüde und Hündin durch massive Stimulation zurückgeben, damit wieder Beckenstösse provozieren, die erloschene Ejakulation des Rüden auslösen, trockenes Pulsieren in substanzförderndes Ejakulieren umwandeln. Dann steht wieder sexuelles Erleben im Vordergrund, was man in der Mimik ebenso ablesen kann.
Für die Hündin ist das Hängen hingegen von essentieller Bedeutung, da sie erst nach einigen Minuten nach Beginn des Aktes, damit während des Hängens, zu ihrem sexuellen Höhepunkt gelangt.
Länge des Hängens und Beendigung des Sexualaktes
Die Dauer des Hängens ist von einer sehr breiten Varianz geprägt.
- 1) ganz wegfallen lassen möchte es kein Rüde
- 2) die meisten Rüden sind mit einem Hängen von rund 10 Minuten voll zufrieden
- 3) da dem Menschen die wichtige stimulierende Chemie der Hündin fehlt, waren in meinem Umgang mit den verschiedensten Rüden Hängzeiten von 20 Minuten meist das Maximum
- 4) Kastraten gehen die Sache mindermotivierter an, hängen deshalb meist kürzer
- 5) das Auslassen des Rüden aus der manuellen Verbindung kann aktiv durch den Menschen erfolgen; ein korrektes Abschwellen des Knotens braucht nicht abgewartet zu werden, sofern man die individuelle Hängzeit des betreffenden Rüden kennt und berücksichtigt
- 6) eine erneute Verbindung wird bei einem Abbruch von Menschenseite ausgehend nach zehn Minuten Hängen meist nicht mehr gestartet, selbst wenn der Rüde ein ausgesprochener Genuss-Hänger sein sollte, der von sich aus erst nach 30 Minuten abbrechen würde
- 7) wird nicht mehr substanziell ejakuliert, sondern nur noch pulsiert, kann ohne Rücksicht auf die Hängzeit abbrechen, ohne dem Rüden seine Befriedigung zu beschneiden; hat er einen solchen Zustand erreicht, fehlt ihm einfach die Motivation zur Fortsetzung dieser oder zum Starten weiterer sexueller Interaktionen
- 8) bricht man jedoch schon ab, solange er noch die dritten Fraktion ejakuliert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er versucht, die Verbindung erneut aufzubauen. Wenn nicht sofort, so doch vielleicht wenige Minuten später und nicht erst nach der für ihn ansonsten typischen Pause von ein oder zwei Tagen, nach denen er üblicherweise erst wieder von sich aus den Wunsch nach einer neuen Verbindung an den Menschen herantragen würde
- 9) einen zu frühen Abbruch erkennt man ebenso daran, dass der Rüde noch einige Minuten vollständig erigiert, möglicherweise noch ejakulierend unschlüssig in der Landschaft steht
- 10) unternimmt der Rüde den Versuch, sich aus einer Verbindung zu entfernen und hebt dabei die Rute an der Wurzel auffallend an, ist es ihm mit dem Abbruch ernst. Ebenso deutet ein schnelles Abschwellen des Knotens auf Abbruchstimmung hin. In solch einer Situation ist ein Überreden zum Weitermachen durch zusätzliche Stimulation kaum mehr möglich. Man ist gut beraten, ihn ziehen zu lassen. Ansonsten riskiert man ein riesiges Geschrei beim unterwürfigen, schüchternen Hund - und eine zurechtweisende Beißattacke mit mehrfachem Nachbeißen beim halbwegs selbstbewussten Tier
Bei der Hündin ist der korrekt Zeitpunkt des Abbrechens schwerer zu bestimmen, wie später noch beim Thema "Orgasmus" diskutiert wird. Da die Hündin erst nach 2 -4 Minuten des Hängens zu ihrem sexuellen Höhepunkt gelangt, ist ein frühzeitiger Abbruch völlig unbefriedigend für sie. Man sollte sie in jedem Falle bis über ihre kleine Unruhe (oder auch sehr ausgeprägtes Toben; je nach Konstellation), mit der sich ihr Höhepunkt äußert, hinaus fixieren. Wie lange darüber hinaus, variiert wieder stark mit dem Einzeltier. Es gibt Hündinnen, die lange Zeit immer weitere genitale Stimulation einfordern. Wartet man nach den Höhepunkt noch mindestens zwei weitere Minuten zu, stößt man meist schon auf Zufriedenheit nach der Trennung.
Wie beim Rüden kann man zum Sammeln von Erfahrungswerten zunächst ebenfalls warten, bis man von der Hündin buchstäblich hinausgeworfen wird, alle Kontraktionsbewegungen in der Vagina enden, sich alle Fixierungsmuskulatur entspannt, sie sich zu entfernen versucht. Dann betrachtet sie die Sache definitiv als beendet. Durch zusätzlich intensivierte Stimulation könnte man sie dann gleichfalls zum Weitermachen animieren. Die Sinnhaftigkeit solchen Handelns sei mal dahingestellt.
Orgasmus und Ejakulation - unabhängige, aber meist parallel ablaufende Funktionen
Orgasmus ist beim Rüden, genau wie beim Menschen, nicht gleichzusetzen mit (Hoden-)Ejakulation, fällt jedoch meist mit dieser zusammen. Mir ist noch kein Rüde untergekommen, bei dem dies nicht so gewesen wäre. Bleibt das Umschalten auf die Ejakulation aus den Hoden aufgrund von Mindermotivation aus, fehlt ebenso das körperliche Gebaren, das man einem sexuellen Höhepunkt zuordnen kann - genau wie umgekehrt. Diese sichtbaren körperlichen Auswirkungen des Höhepunktes setzen entweder zeitlich gleich oder mit kurzem zeitlichen Vorsprung (ein bis zwei Sekunden) zum Umschalten auf die Ejakulation der zweiten Fraktion ein.
Dieses Umschalten in der Ejakulation ist oft von einem kurzen Bruch in der Rhythmik des pulsierenden Flüssigkeitsausstoßes begleitet. Ein Aussetzer in der Regelmäßigkeit, bis hin zu einer mehrsekündigen Pause. Das Zurückschalten auf erneute Ejakulation aus der Prostata geschieht nahezu unbemerkt und ist auch nicht von Getappel, Ducken und Winden des Rüden begleitet.
Die Erregungsphase ist beim Rüden enorm kurz. Erblickt er eine willige Hündin, muss er sie erektionslos penetrieren und innerhalb weniger Sekunden seine volle Erektion erlangen, um sich erfolgreich in ihr zu verankern. Ebenso unscheinbar kurz fällt die Plateauphase aus. Erlebt der Rüde seinen sexuellen Höhepunkt doch meist schon wenige Sekunden nach dem Aufbau der Verankerung. Folgt beim Menschen nun unmittelbar die Rückbildungsphase, so beginnt jetzt erst der langwierige Hauptteil der hundlichen Verbindung. Die eigentliche Rückbildung, die Erschlaffung des Penis - ist dann wiederum ein Sache von wenigen Sekunden. Eine gewisse Refraktärphase, in der weder Rüde noch Hündin unmittelbar nach dem Akt irgendetwas von Sex wissen möchten, finden wir bei Hund wie Mensch.
Mehr dazu im Kapitel "Orgasmus".
Ejakulation
Da zur Abschätzung der sexuellen Befriedigung des Rüden lediglich relevant ist, die einzelnen Teilabschnitte der Ejakulation, damit die Phasen der sexuellen Verbindung unterscheiden zu können, kann der für die Zucht relevante Abschnitt über Samenkonzentration, Motilität und Fertilität der Spermien recht oberflächlich ausfallen. Hierüber wurden schon genügend Bücher gefüllt.
Die drei Phasen der Ejakulation beim Rüden
Mehrfach sprach ich in den letzten Kapiteln von Fraktionen, von verschiedenen Ejakulationsphasen des Rüden. Hierzu muss man wissen, dass der Rüde meist beginnend mit den ersten Friktionsbewegungen stoßweise zu ejakulieren beginnt und diese pulsierende Ejakulation über das teils bis zu mehr als halbstündige Hängen beibehält. Somit ist die Ejakulation des Rüden kein punktuelles Ereignis wie beim Menschen, sondern ein kontinuierliches Geschehen über den ganzen Akt hinweg.
Diese lange Gesamtejakulation gliedert man in drei Teilabschnitte, das Ejakulat in drei Fraktionen.
Anders als etwa beim Hengst kann man beim Rüden ein korrektes Absamen nicht einfach dadurch kontrollieren, dass man einen erreichbaren Abschnitt des Penis während der Kopulation palpatorisch auf Pulsation kontrolliert. Der Rüde pulsiert vor und nach dem eigentlichen Samenerguss genauso. Weshalb er unter rein palpatorischer Kontrolle den eigentlichen Samenerguss unbemerkt auslassen könnte. Die Verhaltensänderung beim Umschalten auf den fruchtbaren Teil der Ejakulation wird bei der natürlichen Paarung meist im äußerst aktiven Gesamtgeschehen unbemerkt untergehen. Doch kann man beinahe sicher sein, dass der körperlich gesunde Rüde, der sich auf ein aktives Bespringen und Hängen einließ auch eine mehr oder minder ergiebige Hodenejakulation einbaut. Ebenso, wie man davon ausgehen darf, dass alle Umschaltungen nach zwei bis drei Minuten des Hängens vollständig abgeschlossen sind.
Allgemeines
- 1) der Rüde ejakuliert von Beginn der Penetration an bis zum Ende der Verbindung in gleichmäßigen, rhythmischen Stößen in einer Frequenz von 2 Schüben pro sec bis zu einem Ausstoß alle 2 sec.
- 2) das Ejakulat gliedert sich in drei Fraktionen
- 3) das Sekret aller drei Fraktionen ist von wässriger Konsistenz und besitzt kaum Viskosität
- 4) das Ejakulat wird pulsierend in meist wenige bis einige Tropfen umfassenden Paketen ausgestoßen
- 5) diese Pakete sind in der ersten Fraktion am ergiebigsten, dünnen im Laufe des Hä